Christian
Mock
"tagebuch
eines wahnsinnigen"
Beamtensatire nach Nikolai
Gogol
Unsinn
ist der Sieg des Geistes über die Vernunft.
Ein Beamter
packt aus!
"Wenn wir auf das
19. Jahrhundert der russischen Literatur zurückblicken, dann
sehen wir Sterne, die allmählich verblassen, andere aber, die
von ihrer Leuchtkraft nichts verloren haben. Zu diesen wird neben
Puschkin, Tolstoi und Dostojewskij immer auch Nikolai Gogol gehören.
Er war die seltsamste Erscheinung unter all den wunderbaren russischen
Erzählern, ein Kafka ukrainischer Herkunft" (Kay
Borowsky)
Nikolai Wassiljewitsch
Gogol wurde am 1. April 1809 in Sorotschinzy, Ukraine, geboren. Nach
Abschluss des Gymnasiums versucht er vergeblich in St. Petersburg
zunächst als Staatsbeamter, später als Privat- und Universitätslehrer
Fuß zu fassen. Auch erste schriftstellerische Versuche blieben
erfolglos. Im Jahre 1831 lernt er Puschkin kennen. Bereits wenige
Monate später erscheinen seine ersten, der ukrainischen Märchen-
und Sagenwelt entnommenen Erzählungen, die mit Begeisterung aufgenommen
werden. Sein Bühnenstück "Der Revisor" bringt
ihm schließlich Anerkennung in ganz Europa.
Ständige
Auseinandersetzungen mit der Zensur, Zweifel am eigenen Talent, aber
auch deutliche Anzeichen körperlicher Krankheit und seelischen
Leidens stürzen ihn in eine schwere Krise. Von ausgedehnten Auslandsreisen
erhofft er sich Linderung.
Nach Russland
zurückgekehrt, verfällt er zunehmend in einen schwermütigen
Mystifizismus. Er verwirft sein gesamtes literarisches Werk, verbrennt
den zweiten Teil seines Romans "Die toten Seelen" und verweigert
fortan jegliche Nahrungsaufnahme. Am 21. Februar 1852 stirbt Nikolai
Gogol in Moskau.
Gerade im "Tagebuch
eines Wahnsinnigen" … "erweist sich Gogols erzählerisches
Talent. Als der kleine verspottete Kanzleischreiber, der sich so sehr
nach einem Mantel als Symbol menschlicher Wärme sehnt, in den
verzweifelten Ruf ausbricht: "Lassen Sie mich doch, warum beleidigen
sie mich?" und dabei unausgesprochen die Worte mitschwingen: "Ich
bin doch dein Bruder", da hätte die Erzählung bei einem
schwächeren Autor leicht zu einem Rührstück abgleiten
können. Doch diese Gefahr droht bei Gogol in keinem Augenblick.
Immer ist das Geschehen eingebettet in einen alles tragenden Humor
und wird bewegt durch ein ständiges Pendeln zwischen Realem und
Surrealem." (Kay
Borowsky)
Das "Tagebuch eines
Wahnsinnigen" zeigt in Form von sporadisch stattfindenden Aufzeichnungen
die Erlebniswelt des niederen, pedantischen Beamten Poprischtschin
aus St. Petersburg. Von Minderwertigkeitsgefühlen geplagt, beseelt
vom Wunsch nach Wärme und Anerkennung, versucht durch Flüchten
in eine eine fiktive Welt, den behördlichen und gesellschaftlichen
Zwängen zu entfliehen. Poprischtschin zerbricht an seinen eigenen
Wunschbildern, wird von Selbsttäuschung und unerfüllbaren
Sehnsüchten in den Wahnsinn getrieben. Mit satirischer Schärfe
zeichnet Gogol das Bild einer Gesellschaft, deren Sehnsüchte
und Ideale allzu oft den platten Lächerlichkeiten dieser Welt
zum Opfer fallen.
Auf der Strecke bleiben
dabei die Unbeachteten, die Namenlosen, die Einsamen.
Christian Mock
- geboren 1976 in Zeitz
- aufgewachsen in einem kleinen Dorf mit 63 Einwohnern
- studierte Schauspiel an der HfS "Ernst Busch" Berlin
- arbeitete nebenbei als Kellner, Barkeeper, Lagerarbeiter und McDonalds
- spielte am Theater
- war in verschiedenen Kurzfilmen zu sehen.
"Tagebuch eines Wahnsinnigen"
ist seine erste eigene Theaterarbeit.