In
Afrika wird ein Affe mitten aus einer Herde heraus angeschossen, auf
ein Schiff geschleppt und nach Europa gebracht, um dort verkauft und
dressiert zu werden. Im engen Schiffskäfig unter Deck wird ihm klar,
daß eine Flucht unmöglich ist und daß ihn nur eines retten kann: er
muß sich anpassen. So lernt er rauchen, Schnaps trinken und schließlich
auch sprechen. Äußerlich ein Tier geblieben hält er nun vor der Akademie
einen Vortrag über sein "affisches Vorleben" und seine Menschwerdung.
Eine Parabel auf die Beengtheit der menschlichen Gesellschaft sowie
den Wunsch nach einer diffus definierten Freiheit und Anerkennung,
dem Kampf zwischen Natur und Kultur in jedem von uns.
Franz
Kafkas berühmte Erzählung von der Menschwerdung des Affen Rotpeter
ist bis heute eines der zentralen Werke der literarischen Moderne.
Wir alle kennen den Rotpeter, so wie ihn die halbe Welt kennt.
Als er zu einem Gastspiel in unsere Stadt kam, beschloss ich ihn näher,
ihn persönlich kennen zu lernen. Herr Busenau, der Impressario, empfing
mich überaus freundlich. Ich hatte nicht erwartet in ihm einen so
bescheidenen, ja fast kleinmütigen Mann anzutreffen. Er saß im Vorzimmer
der Wohnung Rotpeters und aß eine Eierspeise. Trotzdem es Vormittag
war, saß er schon im Abendfrack, in dem er bei den Vorstellungen erscheint.
Kaum erblickte er mich, den fremden bedeutungslosen Gast, sprang er,
der Besitzer höchster Orden, der König der Dresseure, der Ehrendoktor
der großen Universitäten, - sprang er auf, schüttelte mir die Hände,
nötigte mich zum Sitzen, wischte seinen Löffel am Tischtuch ab und
bot mir ihn freundschaftlichst an, damit ich die Eierspeise zu Ende
esse. Meinen ablehnenden Dank ließ er nicht gelten und wollte nun
anfangen selbst mich zu füttern. Ich hatte Mühe ihn zu beruhigen und
ihn mit Teller und Löffel zurückzudrängen. "Sehr liebenswürdig, dass
Sie gekommen sind" sagte er dann mit stark fremdländischer Betonung,
"wirklich liebenswürdig. Auch kommen Sie zur richtigen Stunde, nicht
immer, leider nicht immer kann Rotpeter empfangen, es widersteht ihm
oft Menschen zu sehen, dann wird niemand, wer es auch sei, vorgelassen,
selbst ich - selbst ich, darf dann nur geschäftlich mit ihm verkehren
auf der Bühne. Aber gleich nach der Vorstellung muss ich verschwinden,
er fährt allein nach Hause, sperrt sich in sein Zimmer ein und bleibt
so meist wieder bis zum nächsten Abend. Einen großen Reisekorb voll
Früchte hat er auch immer im Schlafzimmer, davon nährt er sich dann
in solchen Fällen. Ich aber, der ich ihn natürlich nicht ohne Aufsicht
lassen darf, miete immer die gegenüberliegende Wohnung und beobachte
ihn hinter Vorhängen."
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