FREIE BÜHNE DRESDEN
Die Hungerkünstler "LEONCE UND LENA"
Sommer-Hof-Theater nach Georg Büchner

Nachdem Bundespräsident Horst Köhler und seine Frau eine Vorstellung im Juli 08 besuchten,
luden sie das Ensemble zum Essen ein.
Horst Köhler notierte ins Arbeitsbuch des Regisseurs:
"Schauspielen tut Not! Wir haben heute Leonce und Lena in 'Dresdner Facon' erlebt.
Glückwunsch dazu. Es war erfrischendes und ermutigendes Theater."

Alfieri: E la fama? (Und der Ruhm?)
Gozzi: E la fame? (Und der Hunger?)
Die zitierten Sätze sind die Vorrede zu Georg Büchners Komödie "Leonce und Lena".
Letztere wurde 1836 aus eigener finanzieller Not für einen Stückwettbewerb geschrieben - verpasste aber den Einsendeschluss. Die äußere Handlung ist schnell erzählt: Leonce, Prinz vom Reiche Popo, langweilt sich zu Tode und soll nun auch noch die ihm unbekannte Prinzessin Lena vom Reiche Pipi heiraten. Gemeinsam mit dem zweifelhaften Lebenskünstler Valerio flieht er - wie auch Lena sich mit ihrer Gouvernante auf den Weg macht. Ein unglaubliches Road Movie beginnt, in dessen Verlauf sich Leonce und Lena verlieben, Leonce sich umbringen will, letztendlich doch am Leben bleibt und beide bemerken, dass Weglaufen manchmal der schnellste Weg nach Hause ist.
Was banal scheint, ist in Wirklichkeit eine wortwitzige Untersuchung von Langeweile, Überdruss und der Suche nach Lebenssinn in einer regulierten Gesellschaft voller Masken, Normen und Ritualen - und wirkt damit aktueller denn je. Büchners damalige Situation und die heutiger Künstler ähneln sich. Dass Kunst brotlos ist, gilt als Binsenweisheit. Dass erst das Fressen kommt, dann die Moral, ebenso. Und dass die Worte Entlassungsproduktivität und Haushaltskonsilidierung nach Arbeitslosigkeit und Hartz IV schmecken, ist fast jedem klar. Hier beginnt unsere Geschichte:
Drei Schauspieler bekommen ein Spielverbot. Aber wie geht man mit Müßiggang von Amts wegen um? Wie erdrückend kann ein Nichts-tun-können sein? Wo bleibt der Mensch und Künstler, wenn er seine Energie gerade noch zur Abschaffung des eigenen Hungers verwenden muss? Ehe sie es sich versehen, rutschen sie doch ins Spiel. Was soll man denn sonst tun? Aufgeben, sagt der eine. Einen trinken, sagt die andere. Das Beste draus machen, meint der dritte. Und sind Leonce und Lena auf der Suche nach dem Glück.
Besetzung: Regie: Dirk Strobel
LEONCE, GOUVERNANTE, BEDIENTER Martin Sommer
LENA, VALERIO, BEDIENTER Bettina Jülich
KÖNIG PETER, BEDIENTER, HOFPREDIGER, VALERIO Holger Unbehaun
VOLK das Publikum


LEONCE UND LENA entstand in Kooperation mit dem Projekttheater Dresden und dem Theaterhaus Rudi. Vorstellungsdauer: etwa 75 Minuten, keine Pause.
Diese Produktion wurde gefördert durch die
Landeshauptstadt Dresden, Amt für Kultur und Denkmalschutz.