was haben wir so gemacht in den letzten jahren

Auswertung der Tanzwoche 2014

Sachbericht zum FESTIVAL
23. Tanzwoche Dresden


19.04. – 29.04.2014
und zu den Jahresaktivitäten im Haushaltsjahr 2014

Verein zur Förderung der TANZBÜHNE Dresden e. V.

2014 – 23. TANZWOCHE – wird wohl die letzte Tanzwoche der bekannten Art gewesen sein. Doch darauf werden wir später eingehen.

Der bewährten 22jährigen Tradition folgend, wurden auch 2014 wieder viele Produktionen gezeigt, welche sich vom überregionalen Mainstream abhoben, standen internationale und nationale Companies auf den Bühnen dieser Stadt, erlebte man Projekte neuer Couleur und alter Manier, es wurde ein kunterbunter Oster-Frühlingsstrauß des Tanzes für das Publikum gebunden.

Das Osterfest und die sich anschließenden Ferien lagen 2014 genau in der Tanzwoche, ein Umstand, der für die Organisatoren eine besondere Herausforderung darstellte.

Schon die Eröffnung der Tanzwoche im Festspielhaus des Europäischen Zentrums der Künste Hellerau mit der weltbekannten Company DEREVO und dem „Invernal Ball“ war ein Höhepunkt der Tanzwoche. Dieses Tanztheaterstück nach Motiven von Nikolai Gogol war eine Gemeinschaftsproduktion von DEREVO und der Yvette Bozsik Company aus Budapest in Ungarn. Ein politisches Stück choreografierten Theaters, welches die Frage nach individueller und nationaler Identität für ein globales Europa stellte.

Das Festivalzentrum – seit 1995 das projekttheater – lud dann zu einem mitternächtlichen Flamencoabend.

Eine Kombination von Tanz und Literatur konnten Passanten der Hauptstraße zwischen dem 22. Und 26. April 2014 erleben. In der Reihe „schaulustig“, welche analog zum vergangenen Jahr wieder im Schaufenster von „Schaulust“ stattfand, „vertanzten“ Nicole Meier und Marlene Tanczik jeden Tag ein Gedicht von Ivo Ledergerber und schufen mit ihren Miniperformances einen neuen Mittelpunkt in der Fußgängerzone.

Am Ostersonntag und Ostermontag luden wir das Publikum zu einem, in der Tanzwoche neuen Ort ein. Die Ostrale Dresden, eher bekannt als Ausstellungsgelände für zeitgenössische Kunst, öffnete seine Pforten und präsentierte gemeinsam mit der Tanzbühne einen Tanz-Performance-Parcours durch das Gelände. Ergänzend geschmückt mit einem Brunch und einem Angebot für Kinder bei wunderbar warmem, sonnigem Osterwetter war es eine besonders farbenprächtige Blüte in unserm Strauß. Leider ließ der Zuschauerzustrom zu wünschen übrig, viele Dresdner nutzten wohl Sonnenschein und freie Tage für Ausflüge in die Umgebung. Der Parcours wurde gestaltet von Jelena Ivanovic gemeinsam mit TänzerInnen von Dresden über Belgien bis Israel und war eine hochwertige, spannende, einfach großartige Arbeit.

Im projekttheater fand dann die nächste Premiere einer jungen, aufstrebenden Dresdner Company statt. Die JuWie Dance Company präsentierte mit Wasser marsch [Cocktail ungeklärt] eine sehr engagierte, politisch brisante Produktion. Besonders bemerkenswert am Rande: Es war ein Projekt, welches lediglich durch die Ostsächsische Sparkasse Dresden gefördert wurde. Alle weiteren Mittel konnten dank der Kooperation mit der Tanzbühne Dresden zweckgebunden privat akquiriert werden.

Der Ostermontag schmückte sich für über 350 Gäste mit der traditionellen Gala im Staatsschauspiel Dresden – Kleines Haus. Der Organisator der Gala, Boris Gruhl, hatte keine Mühen gescheut, ein facettenreiches Programm auf die Bühne zu bringen. Jedoch schlugen in der Organisation hier die Osterferien zu Buche. So war zum Beispiel in diesem Jahr kein Beitrag der Palucca Hochschule für Tanz Dresden dabei, da die SchülerInnen in den Ferien waren. Auch andere Institutionen hatten durch die Feiertage Schwierigkeiten, mit Beiträgen die Gala zu bereichern. So war der 2014er Jahrgang kein brillanter, aber ein gehaltvoller.

Im sich an die Tanzwoche anschließenden Auswertungsgespräch wurden die Kritikpunkte am Programm klar benannt und beschlossen, die Gala 2015 inhaltlich und dramaturgisch zu überarbeiten. Diese 2015er Gala wird an sich auch die Letzte ihrer Art sein. Boris Gruhl, Initiator, Organisator, Moderator zieht sich dann aus der Organisation zurück.

Nach der Gala begann das reguläre Programm der Tanzwoche. Verschiedenste Häuser öffneten ihre Pforten für den Tanz.

Das Societaetstheater präsentierte das aktuelle Stück der shot AG „Heute Abend“ und die neuste Produktion „Intakt #3“ der Anna Melnikowa. Beide Stücke sind dem Tanzperformance-Bereich zuzuordnen, laborieren genreübergreifend mit Musik, Film, Text und Bewegung.

Das Theaterhaus Rudi war ebenfalls mit einer Dresdner und einer auswärtigen Produktion vertreten, beide in diesem Jahr nicht aus dem Amateurtanztheaterbereich. Mit der „Ich bin o.k. Dance Company“ aus Wien präsentierten wir ein inklusives Tanzprojekt: Tänzerinnen und Tänzer mit und ohne Behinderungen zeigten 3 Geschichten von Freundschaft.

Ein sensibler, herausragender Abend. Go Plastic aus Dresden widmete ihren Abend „Mit Alice in den Städten“ den Geschichten von Lewis Carroll – ebenfalls eine wunderbare Blüte unseres Tanzstraußes, erstmalig in Dresden zu sehen.

Am 25. April 2014 präsentierte das Europäische Zentrum der Künste Hellerau als Eigenbeitrag / d.h. budgettneutral/ im Rahmen der Tanzwoche das Cloud Gate Dance Theatre Of Taiwan mit seinem Stück „Rice“ und verzauberte das Publikum 2 ausverkaufte Vorstellungen mit asiatischem, modernen Tanz.

In der Märchenkuppel der Yenidze konnte man wieder arabischen Tanz erleben.

2013 verabschiedete sich das Veranstaltungsformat SICHT/BETON/UNG von seinem Ursprungsort im friedrichstadtZentral. 2014 begrüßten wir mit der SICHT/BETON/UNG 9 das Zentralwerk als neuen Veranstaltungsort für dieses Gesamtkunstwerk, welches Künstler verschiedenster Genres vereint. Nunmehr den Kinderschuhen entwachsen wird künftig ein eigenes Format entstehen.

Das Filmtheater Thalia lud auch in diesem Jahr gemeinsam mit der Filmgalerie Phase IV und der Tanzbühne wieder zum Sonntagsbrunch mit Tanzfilm ein. Mit Jacques Demys hoffnungslos romantischer Hommage an das klassische Hollywood-Musical „Les Demoiselles de Rochefort“ (1967) zeigten wir ein zeitloses Meisterwerk voller Musik und Tanz. Dieses Veranstaltungsformat gehört mittlerweile zu den liebgewordenen Tradionen der Tanzwoche.

Mit TANZNETZ DRESDEN OFFSTAGE zeigten Dresdner Künstlerinnen am Deutschen Hygienemuseum ihr Können und betanzten das Museum jenseits der Bühnen.

Veranstaltungsschwerpunkt bildete wieder das Festivalzentrum projekttheater dresden.
Pro Abend gab es 2 Performances zu besuchen. Inclusive des Abschlussabends waren dies 19 Veranstaltungen, darunter 3 Abende Kurz&Gut, einer Reihe, in welcher Kurzstücke von max. 20 Minuten Länge gezeigt werden. Verantwortlich für 2 dieser Abende zeichnet das TanzNetz Dresden.
Es wurden am ersten Abend 5 Kurzstücke von Dresdner KünstlerInenn und 2 von auswärtigen Gästen gezeigt, am zweiten Abend 6 Dresdner Kurzstücke und wieder 2 auswärtige.
Der dritte Abend gehörte der Hochschule für Schauspielkunst Berlin Ernst Busch und wurde von Studenten des Choreographie-Masterstudienganges gestaltet.
Qualitativ gab es große Unterschiede zwischen den einzelnen Stücken und Abenden, aber bestechend sind nach wie vor die Verschiedenartigkeit, der Abwechslungsreichtum und durchaus auch das Wagnis eines solchen bunten Abends.
Dieses Veranstaltungsformat bietet eine ideale Plattform, auf der vor allem Dresdner KünstlerInnen neue Arbeiten präsentieren können, man Entwicklungen und Tendenzen im Tanz deutlich sehen und erleben kann, es ist wie eine Art Labor, ein Experimentierraum zu betrachten.
Die Resonanz in der Szene, Arbeiten von Kollegen zu sehen, sich auszutauschen, Veranstaltungsabende zu teilen, ist ein großes Potential. Die Reihe ist sehr erfolgreich, 2 Abende waren ausverkauft.
In der Organisation, Ablaufgestaltung und Transparenz gibt es allerdings noch Kapazitäten, welche im kommenden Jahr genutzt werden sollen.

Natürlich gab es auch wieder Erstaufführungen zu bestaunen. Neben der JuWie Dance Company feierten 2 Stücke zweier Schüler der Compagnie DEREVO Premiere, ebenso wie das moderne Ballett „Der spielende Mensch“ des Russen Alexey Kononov und „Contemplation“ des J.A.P. Leipzig. Mit „2+2=5“ der Mailänder Compagnie SANPAPIE verbeugten wir uns vor fünf Frauen, die den Tanz verändert haben. Zu sehen waren fünf Choreografien, Ehrfurchtsbezeigungen für Martha Graham, Pina Bausch, Isadora Duncan, Mary Wigman und Luciana Melis. Ein ganz besonderer Abend.

Neu in diesem Jahr war ein tägliches offenes Training, welches in den Räumen des projekttheaters stattfand und stark frequentiert war.

Dresdner Tanzgrüße überbrachten Tänzerinnen und Tänzer des Heinrich-Schütz-Konservatoriums, der Jugend-und-Kunstschule, des Tanzhauses Friedrichstadt, des Folkloreensemble der Technischen Universität, des Studios dancelife und des Tanzhauses Friedrichstadt am Welttag des Tanzes der großen Veranstaltung „Leipzig tanzt!“ des Balletts der Oper Leipzig auf dem Augustusplatz und im Opernhaus Leipyig. Ein Tanzbus fährt nach Leipzig; das hat es so auch noch nicht gegeben.

Die Tanzwoche Dresden organisierte 2014 gemeinsam mit den Partnern insgesamt 65 Veranstaltungen an 12 verschiedenen Veranstaltungsorten.
Die Anzahl der Besucher wuchs auf ca. 5.500 – hier schlugen eindeutig das Osterfest und die sich anschließenden Ferien zu Buche, wie auch die interne Konkurrenz und exakte Zahlen sind durch die Outdooraktivitäten nicht möglich.

Bei einer internen Auswertungsrunde der Tanzwoche wurde festgestellt, daß die Tanzwoche Dresden an ihre Kapazitätsgrenze in vielen Bereichen gestoßen ist:
- die Fülle an Veranstaltungen ist bei dem zur Verfügung stehenden Budget in Zukunft nicht mehr zu gewährleisten, die Finanzdecke ist für ein Festival exorbitant gering, ein Wachstum steht nicht zu erwarten
- die Besucherzahlen stehen nicht mehr in einem adäquaten Verhältnis zum Arbeitsaufwand
- die durch das Budget diktierte gleichbleibende Anzahl von Mitarbeitern bei steigenden Anforderungen sind nicht mehr tragbar, die ehrenamtlich geleistete Arbeit nimmt mittlerweile überhand und ist nicht mehr abyusichern
- für 2015 stehen einschneidende Budgetkürzungen an, so hat z.B. der Deutsche Bühnenverein bereits angekündigt, seine finanzielle Unterstützung für die Gala im kommenden Jahr auszusetzen
- Boris Gruhl, einer der tragenden Mitarbeiter der Tanzwoche im Bereich der Werbung und Öffentlichkeitsarbeit hat für 2015 seinen Rückzug angekündigt
- D.G.J. Skowronek, Organisator und künstlerischer Leiter der Tanzwoche hat seinen schrittweisen Rückzug aus der obersten Leitungsebene bis 2017 angekündigt

Diese klare und ehrliche Analyse veranlasste die Organisatoren, für die Zukunft neue Schritte und Wege zu bedenken und in eine konzeptionelle und inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Format Tanzwoche einzutreten.

Als ersten Schritt lud der Verein zur Förderung der Tanzbühne Dresden auf Initiative des künstlerischen Leiters, Herrn Skowronek, am 19. Mai 2014 Vertreter der an der Tanzwoche beteiligten Spielstätten zu einem Auswertungsgespräch ein.
Beteiligt waren dabei Vertreter vom Societaetstheater, dem Theaterhaus Rudi, der Ostrale, dem Europäischen Zentrum der Künste Hellerau und dem projekttheater.
Auch bei diesem Treffen kam es zu einer schonungslosen Analyse, aber auch zu einer konstruktiven Auseinandersetzung. Alle Beteiligten bekundeten in diesem Zusammenhang ihr unbedingtes Teilnahmeinteresse an dem Festival. Für die kommende 24. Tanzwoche 2015 wurden Abläufe und Anfangszeiten diskutiert und aufeinander abgestimmt und ein Ausbau der Öffentlichkeitsarbeit erörtert, über Qualitätsansprüche debattiert.

Als zweiten Schritt trafen sich am 3. Juni 2014 Mitglieder des Vereins zur Förderung der Tanzbühne Dresden, Verantwortliche der Tanzwoche, Mitglieder der freien Tanzszene Dresdens und TeilnehmerInnen der Tanzwoche 2014 zu einem weiteren Gespräch.

Auch dieses Treffen zeichnete sich durch eine konstruktive Diskussion aus, erhöht durch eine Vielzahl von ergebnisorientierten Beschlüssen.
Denn auch hier kristallisierten sich sehr schnell die Probleme und Widrigkeiten.
Doch noch eines wurde sehr schnell klar: Die Tanzwoche soll und muss erhalten bleiben, sie ist überlebenswichtig für zahlreiche KünstlerInnen unserer Stadt.

So wurden folgende Punkte beschlossen:
- 2015: Programmausdünnung und damit größere Übersichtlichkeit
- Es wurde ein organisatorisches/künstlerisches Kuratorium, bestehend aus jungen, kreativen Tänzerinnen (Wiebke Bickhardt, Jule Oeft, Cindy Hammer, Nicole Meier, Susan Schubert, Karoline Bischof/Lesch)berufen, welches perspektivisch die Tanzwoche Dresden weiter führen werden.
- Es wird konzeptionelle Änderungen geben. Neue Wege in Programm, Werbung und Organisation werden entwickelt. Die „Plattform“ Tanzwoche für Tänzer und Tänzerinnen mit Austausch und Weiterbildung wird 2015 eine größere Rolle spielen. Analog zu 2014 wird wieder täglich offenes Training angeboten, welches sowohl von den Gastcompanies als auch von Dresdner Tänzer_Innne geleitet wird, Workshops werden das Programm ergänzen.
- Die Gala am Anfang wird beibehalten, aber sowohl inhaltlich als auch dramaturgisch überarbeitet. Sie wird weiterhin eine Schau sächsischen Tanzschaffens bleiben und von Beiträgen aus dem Festival ergänzt werden.
- Die Öffentlichkeitsarbeit birgt noch viele Potentiale. Die Werbestrategie wird überdacht und neu entwickelt. Ideen und Anregungen werden gesammelt und bereits 2015 umgesetzt.
- Um die Finanzakquise zu intensivieren, benötigt die Tanzwoche Dresden eine solide Ankerfinanzierung. Dieses ist nicht nur die Basis für Querfinanzierungen durch Stiftungen und Sponsoren sondern bedeutet auch ein eindeutiges Bekenntnis durch die Stadt Dresden und das Land Sachsen. Um diese Ankerfinanzierung muss gestritten werden.
- die Suche nach weiteren Finanzierungsquellen auf ehrenamtlicher Basis muss abgeschafft werden. Hier sind neue Strategien gefragt.

Seit Berufung des Kuratoriums finden regelmäßig Sitzungen statt. Hier werden konzeptionelle Fragen diskutiert und Problemlösungen erarbeitet.

Die Tanzwoche erhält eine Rundumerneuerung, ohne dabei jedoch die künstlerische und programmatische Grundidee aus den Augen zu verlieren: Die Präsentation von frischen, innovativen, neuen Tendenzen im Tanz, dem Schaffen eines Podiums, einer Bühne für junge kreative Tanzschaffende / kein Mainstream.

Der Verein hat weitere Aktivitäten entfaltet. Da sind zu nennen 3 Vorstellungen von J. Ratsch und Koll., 5 Vorstellungen der JuWi-Dance Comp., eine Koprod. Mit Hyoung-Min Kim mit 3 Vorstellungen in Dresden und Gastspietour durch Korea, sowie ein Werkschaufestival der tschechische Gruppe Vesele Skoky im Dezember welches vom d-tsch. Zukunftsfonds und der Dresdner Bank Stiftung gefördert wurde. Wir haben damit begonnen dem Freien Tanz wieder zusätzlich eine Plattform zu geben.


Dresden, 17.01.2015
D.G.J. Skowronek

Auswertung der Tanzwoche 2015

Sachbericht zum FESTIVAL
24. Tanzwoche Dresden


18.04. – 29.04.2015

Verein zur Förderung der TANZBÜHNE Dresden e. V.
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1. Zum Programm
2. Organisation
3. Auswertung
4. Zusammenfassung

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Die 24. Tanzwoche 2015 war neu und doch traditionell, programmatisch übersichtlich und doch gut gefüllt, ein gut gelungener erster Schritt in Richtung Neuanfang 2017.

Das Publikum erlebte in diesem Jahr ein Festival nach Budgetlage und ein Festival, welches zum ersten mal in seiner Geschichte umfassend kuratiert wurde. Damit wurden weitreichende personelle und strukturelle Veränderungen eingeleitet.

1. Zum Programm

Die Eröffnung der diesjährigen Tanzwoche war dreigeteilt. Bereits 12.00 Uhr startete das Festival mit der liebgewordenen Straßenperformance „Schaulustig“ im Schaufenster des Optikers Schaulust auf der Hauptstraße. Nicole Meier von den Carrot Dancers verlockte mit ihren poetischen kleinen Performances  wieder die Passanten zum Stehenbleiben, zum Schauen, zu Innehalten im Alltagstrott.

Den zweiten Teil der Eröffnung der diesjährigen Tanzwoche erlebte das Publikum in einer neu dazu gewonnen Spielstätte. Die Landesbühnen Sachsen präsentierten mit der Premiere von „Dido und Aeneas“ ein spartenübergreifendes Tanztheater, eine Mischung aus Klassik und Experiment, ein Gesamtkunstwerk, in welchem Tänzer, Sänger und Musiker die Geschichte der tragischen Liebe von Dido und Aeneas zum Leben erweckten. Auf der Basis der Oper von Henry Purcell erschuf Carlos Matos eine choreografierte Oper, welche das Publikum verzauberte und bereits den ersten Höhepunkt der Tanzwoche bildete.

Traditionell und doch immer wieder neu – der dritte Teil der Eröffnung fand im projekttheater dresden statt. Hier wurde die Ausstellung zur Tanzwoche eröffnet. In diesem Jahr wurde sie künstlerisch gefüllt von der jungen Physiotherapeutin, Tänzerin und Malerin Svenja Rheinschmidt und ihren „Gemalte(n) Tanzbilder(n)“. Die Ausstellungseröffnung war grandios. Junge Tänzer und Tänzerinnen der Palucca Hochschule für Tanz und Freunde der Künstlerin gestalteten die Vernissage mit einer außergewöhnlichen Performance im Foyer, im Hausflur, auf der Straße. Im Anschluss erlebte das Publikum einen temperamentvollen mitternächtlichen Flamencoabend mit der Compagnie um Migiwa Shimzu und Johannes Ratsch.

Der Schwerpunkt des Programms im projekttheater lag in diesem Jahrgang der Tanzwoche vor allem auf der Kommunikationsplattform. Präsentiert wurden im Rahmen der Reihe „Kurz & Gut“ Stücke zwischen 5 und 20 Minuten Länge von jungen Choreografen aus Sachsen und dem Rest der Welt. Besonders hier bewies das Kuratorium ein „gutes Händchen“ bei der Auswahl der Compagnien. Die Abende waren qualitativ hochwertig, thematisch und künstlerisch abwechslungsreich, nicht zu lang und wurden vom Publikum begeistert aufgenommen. Ergänzend zu diesen vier Abenden wurden in weiteren 4 Vorstellungen zwei bereits bekannte Compagnien präsentiert. Zu sehen war das neue Stück „Meets me as a stranger“ von Adriana Seecker und Axel Schiffler aus Berlin und das russische Transteatr aus Cherepovec mit „Lady Viola“.

Der Montag schmückte sich für über 350 Gäste mit der traditionellen Gala – in diesem Jahr passender Weise in den Landesbühnen Sachsen in Radebeul. Sächsisches Tanzschaffen in allen Facetten, präsentiert im sehr gastfreundlichen und engagierten Ambiente der Landesbühnen – das war ein auserlesener, spannender, farbiger Abend mit warmer und herzlicher Atmosphäre und damit wieder ein Höhepunkt im Programm.

Auch das Societätstheater öffnete seine Pforten für die Tanzwoche. Die griechisch/französische Company Synthesis 748 laborierte in ihrer choreografierten Installation „Nova Aetas“ genreübergreifend mit Musik, Film und Bewegung. Daraus entstand eine sehr spannende Arbeit, welche es allerdings beim Publikum schwer hatte. Die vergleichsweise geringen Zuschauerzahlen bei diesen Vorstellungen lagen einerseits an der Anfangszeit und den Wochenendtagen mit Parallelveranstaltungen und andererseits auch an der Sperrigkeit der künstlerischen Arbeit. Wir halten sie jedoch für Richtungsweisend und sicher wird diese Company bei einer weiteren Tanzwoche wieder zu Gast sein. Doch das Programm im Societätstheater hielt noch zwei weitere Leckerbissen für Freunde des Tanzes bereit. Mit dem Stück „Right Behind You!“ gab die Dresdner Company Go Plastic einen Ausblick auf die neue Produktion, eine installative Performance zum Thema Männlichkeit. Beide Vorstellungen waren ausverkauft. Eine Krone setzte die französische Company Soul City aus Reunion dem Programm im Societätstheater auf. Diese Ausnahmecompany von der kleinen Insel im Pazifischen Ozean begeisterte alle, nicht nur das Publikum mit ihrer Choreografie auf der Bühne sondern auch alle Organisator_Innen, Techniker bis hin zur Kartenverkäuferin. Auf für uns ungewohnte Weise näherten sich die Akteure dem Wesen urbaner Bewegungskomplexe, schafften mit einer gekonnten Mischung aus Hip-Hop, Akrobatik und zeitgenössischem Tanz voller Bewegungsüberraschungen eine hoch energetische, sensible, herausragende Choreografie. Der erste Abend war schon gut gefüllt, der zweite restlos ausverkauft. Aufgrund der Erstklassigkeit dieser Arbeit wird hier eine weitere Zusammenarbeit angestrebt. Gelder wurden bereits beantragt –die Company wurde für den August/September eine Residenz im projekttheater dresden zugesichert, in deren Rahmen an einem neuen Stück gearbeitet wird, welches dann zur kommenden, 25. Tanzwoche hier Premiere haben wird.

Das Europäische Zentrum der Künste Hellerau beteiligte sich in diesem Jahr mit einem „Linie 08 special“ am Programm der Tanzwoche. Hier brachten Martina Morasso und die Carrot Dancers ihre neusten Arbeiten „Orfeo’s Past now“ und „Le Sack de printemps“ zur Premiere.

Auch in diesem Jahr gab es wieder den wunderbaren und beliebten Filmbrunch von Filmtheater Thalia, der Filmgalerie Phase IV und der Tanzbühne am Sonntag ein. In diesem Jahr widmete sie sich dem Leben von Anita Berber, einer Dresdner Tänzerin, welche während des ersten Weltkrieges mit ihrem exessiven Tanz und zahllosen Skandalen und Affären zu einer Berühmtheit wurde. Der auch in Dresden bekannte Autor Lothar Fischer stellte im Rahmen des Filmbrunch sein neuestes Buch über Antia Berber vor, dazu wurde historisches Filmmaterial gezeigt. Dieses Veranstaltungsformat gehört mittlerweile zu den liebgewordenen Tradionen der Tanzwoche und war auch in diesem Jahr wieder hervorragend besucht.

Einen großen Stellenwert nahm in diesem Jahr die Outdoorflanke ein. Dresdner Künstler_Innen zeigten jenseits der Bühne ihr Können und betanzten den Alaunpark, die Hauptstraße, den Garten des Societätstheaters. Besonders der Abend im Alaunpark der Dresdner Äußeren Neustadt sei hier exemplarisch hervorzuheben. Ca. 2500 Besucher erlebten hier 3 zauberhafte, kurze Vorstellungen „Likuide“ der jungen, aufstrebenden JuWie Dance Company in einer fast verwunschen anmutenden Atmosphäre.

Zu erwähnen ist zum Abschluss noch das Gemeinschaftsprojekt „Treemonisha“ von Hochschule für Musik, Hochschule für Bildende Künste, Palucca Hochschule für Tanz im, dessen Premiere im Rahmen der Tanzwoche im Staatsschauspiel Dresden – Kleines Haus stattfand.

2. Organisation

Neu war in diesem Jahr die Organisationsstruktur der Tanzwoche. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte wurde das Programm komplett kuratiert. Damit wurde einer Forderung der Kulturpolitik nachgekommen – mit Erfolg. Seit Mai 2014 fanden regelmäßig Kuratoriumssitzungen statt. Geprägt wurden diese Sitzungen von konzeptioneller und inhaltlicher Auseinandersetzung. Mitglieder des Kuratoriums waren Wiebke Bickhardt, Jule Oeft, Cindy Hammer, Susan Schubert, Nicole Meier, Karoline Bischoff-Leesch.

3. Auswertung

Wegen des schmalen Budgets der diesjährigen Auflage der Tanzwoche versuchten wir im Kuratorium eine „kleine aber feine“ Tanzwoche zu programmieren. Durch die in diesem Jahr wieder verstärkte Site-specific-Arbeit und die kollegialen Kooperationen mit Partnereinrichtungen erzielte das Festival einen Besucherrekord und feierte damit 11 Tage feinstes Tanztheater.

Die 24. Tanzwoche Dresden organisierte 2015 insgesamt 60 Veranstaltungen zuzüglich 3 Kooperationsveranstaltungen an 9 verschiedenen Veranstaltungsorten. Die Anzahl der Besucher lag bei ca. 6.100 und splittet sich auf in ca. 2000 Besucher bei den Kooperationsveranstaltungen im Zentrum der Künste Hellerau, den Landesbühnen Sachsen und dem Staatsschauspiel Kleines Haus, ca. 2900 Besucher der Outdoorveranstaltungen auf Straßen, Plätzen und in Parks Dresdens und ca. 1.200 Besucher bei den durch die Tanzbühne organisierten Veranstaltungen im Societätstheater, projekttheater, Filmtheater Thalia und bei der Gala in den Landesbühnen Sachsen. Dies entspricht insgesamt einer Auslastung von ca. 76 %.

Die erfolgte Programmausdünnung und damit verbunden die größere Übersichtlichkeit für das Publikum zeigten Wirkung. Die Rückkopplung durch unsere Gäste war hier durchweg positiv.

Ebenfalls sehr positiv wurde die diesjährige Preispolitik bewertet. In Absprachen mit unseren Partnern gab es einen einheitlichen Eintrittspreis für alle von der Tanzbühne organisierten Veranstaltungen. Ausnahmen bildeten lediglich die Veranstaltungen im Zentrum der Künste Hellerau und dem Staatsschauspiel Kleines Haus.

Die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in diesem Jahr war vorbildlich. Leider mussten wir jedoch feststellen, dass das Festival von den Dresdner Zeitungen und Zeitschriften weitestgehend nicht mit Rezensionen bedacht wurde. Die Sächsische Zeitung ignorierte das Festival vollständig. Hier müssen andere Wege gesucht und gefunden werden, um eine bessere Wahrnehmung zu erzielen. Die Veröffentlichung der Veranstaltungen in der Presse und vor allem im Internet war umfassend und zeigte entsprechend Wirkung. Besonders bezogen auf die Outdoorveranstaltungen machte sich die Einrichtung eines facebook-accounts „bezahlt“.

Bemängelt wurde in diesem Jahr das Fehlen eines Festivalzentrums. Dieses wird im kommenden Jahr abgestellt werden. Das projekttheater dresden wird diese Aufgabe erneut übernehmen. Erste Pläne zur Gestaltung gibt es bereits.

Ebenfalls stellte die Organisation von offenen Trainings, Workshops und Publikumsgesprächen ein Problem dar. Hier schlug vor allem das zu kleine Budget zu Buche, die Workshops mussten auf Grund der prekären Finanzlage gestrichen werden. Für die Publikumsgespräche muss ein anderes Format gefunden werden, um dieses Angebot für das Publikum attraktiver zu machen. Auch hier gibt es erste Ideen in Zusammenarbeit mit dem projekttheater als zukünftiges Festivalszentrum. Auf die „Plattform“ Tanzwoche für Tänzer und Tänzerinnen mit Austausch und Weiterbildung wird 2016 ein verstärktes Augenmerk gelegt werden.

In der organisatorischen Zusammenarbeit müssen im kommenden Jahr die Aufgaben klarer definiert werden. Die Einsetzung eines Kuratoriums hat sich bewährt, die Verantwortlichkeiten der Teammitglieder waren jedoch oft zu unklar definiert. In einem Auswertungsgespräch unmittelbar im Anschluss an die Tanzwoche wurde dieses in einer sehr konstruktiven Diskussion erkannt und Lösungsansätze erarbeitet.

Das größte Problem ist und bleibt die Frage der Finanzierung des Festivals. Die Finanzakquise muss intensiviert werden. Jedoch ist dies auf ehrenamtlicher Basis kaum realisierbar. Um eine solide Ankerfinanzierung für unser einzigartiges Festival muss und wird weiter gestritten werden.

4. Zusammenfassung

Die ersten Schritte einer Rundumerneuerung der Tanzwoche wurden gegangen – mit Erfolg. Die Tanzwoche mit der Präsentation von frischen, innovativen, neuen Tendenzen im Tanz, dem Schaffen eines Podiums, einer Bühne für junge kreative Tanzschaffende wurde in diesem Jahr von wesentlich mehr Zuschauer_Innen wahr- und angenommen.

Es lässt sich zusammenfassen: Die Tanzwoche war budgetär nicht zu unterbieten, qualitativ durchaus durchwachsen, in der Resonanz kaum zu übertreffen.

 

Auswertung der Tanzwoche 2016

Sachbericht zum FESTIVAL
25. Tanzwoche Dresden

Unter der Schirmherrschaft der Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst Dr. Eva Maria Stange und des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt Dresden Dirk Hilbert

19.04. – 1.05.2016
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1. Zum Programm
2. Organisation
3. Auswertung
4. Zusammenfassung

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Die 25. Tanzwoche 2016 war neu und doch traditionell, programmatisch übersichtlich und doch gut gefüllt, ein gut gelungener Schritt in Richtung Neuanfang 2017.

Das Publikum erlebte in diesem Jahr ein Festival nach Budgetlage und ein Festival, welches umfassend kuratiert wurde. Damit wurden weitreichende personelle und strukturelle Veränderungen eingeleitet.

Die 25. Tanzwoche stand unter der Schirmherrschaft der Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst Dr. Eva Maria Stange und des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt Dresden Dirk Hilbert.

1. Zum Programm

Die Eröffnung der diesjährigen Tanzwoche war grandios. Bereits um 15.30 Uhr startete das Festival mit „FARBWECHSEL! TANZMANEGE STÖSST AN!“, einem Outdoorprojekt der Jugendkunstschule und des Hort Tintenklecks auf der Hauptstraße. Vom Neustädter Markt ging es über die Hauptstraße, vorbei an der Performance "Schaulustig" auf die Louisenstraße. Ziel war das projekttheater. Die Jungen und Mädchen zeigten in ihrer Performance, dass zum Spielen eben auch Bewegung gehört. Eine Station war 16.00 Uhr bei der liebgewordenen Straßenperformance „Schaulustig“ im Schaufenster des Optikers Schaulust auf der Hauptstraße. Nicole Meier von den Carrot Dancers verlockte mit ihren poetischen kleinen Performances wieder die Passanten zum Stehenbleiben, zum Schauen, zu Innehalten im Alltagstrott.

Den zweiten Teil der Eröffnung der diesjährigen Tanzwoche erlebte das Publikum dann entweder im projekttheater oder aber in der Yenidze. Während es im projekttheater KURZ & GUT I mit insgesamt 5 Stücken gab, erwarteten in der Yenidze Künstlerinnen der Welt das Publikum zu „MIT DER WELT DES TANZES EINMAL UM DIE WELT“.

Den dritten Teil übernahmen dann – ganz traditionell und doch neu – die Künstler um Johannes Ratsch und Migiwa Shimizu mit ihrer NOCHE DE FLAMENCO im projekttheater. Begleitet von Drums, E-Bass und anderen zeitgenössischen Einflüssen wurden sowohl die Musik als auch der Tanz gänzlich neu gedacht.

Das projekttheater dresden setzte in diesem Jahr einen besonderen Schwerpunkt. Die Company SOUL CITY von der Ile de la Réunion (F) war über einen Monat Gast im pt.
Soul City ist einer der ältesten Breakdancegruppen der Réunion. Bekannt geworden durch ihre Shows und Battles wurde die Gruppe 2009 schließlich zu einer professionellen Dance Company. Unter der künstlerischen Leitung von Didier Boutiana präsentierte die Gruppe bereits im vergangen Jahr REFLEX, ein choreografisches Hip-Hop-Stück mit zeitgenössischen Einflüssen. Den Auftritten folgend äußerten die Kompanie und die Verantwortlichen des projekttheater dresden den Wunsch, mit einem Austausch-Projekt die künstlerische Zusammenarbeit zwischen der Réunion und Deutschland zu fördern. Dieses Austauschprojekt widerspiegelte die Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten, seien es Produktionspraktiken, Schaffen und Ausstrahlung in Frankreich, Deutschland und in ganz Europa.

Seit dem Doppelpass Projekt der Kulturstiftung des Bundes 2012 stellt das projekttheater dresden jährlich bis zu 4 Companien das Haus in Form von Residenzen zur Verfügung. Hier sollen Künstler arbeiten und vor allem mit den Dresdner Künstlern und dem Publikum in Austausch treten. Diese Residenzen senden wichtige Impulse in die Kulturstadt Dresden, sie inspirieren und beleben die Dresdner Szene und öffnen den Blick für andere Realitäten. Vielfältige künstlerische Produkte entstanden bereits in dieser fruchtbaren Atmosphäre. Die sich bildenden Kontakte mit nichtdresdner Künstlern oder Kultureinrichtungen fördern die deutsche und internationalen Kunst- und Kulturszene nachhaltig und eröffnen neue Horizonte.

Soul City zeigte in diesem Jahr noch einmal das Erfolgsstück REFLEX und brachte am Ende der Tanzwoche „Priyèr si Priyèr“ zur Premiere. Alle 4 Vorstellungen waren ausverkauft.

Dazwischen erlebte das Publikum das russische TransTeatr aus Cherepovec mit „Animalia“.

Neun Tänzer, einige mit körperlichen Behinderungen, einige mit geistigen, einige ohne, verbindet vor allem eins: ihre Gefühle. Das brachten sie am 22. April mit (E)MOTIONS auf die Bühne des projekttheaters. Es war ein grandioser Abend mit vielen Emotionen.

Mit BEHIND THE BODY brachte die Verita Dance Company ein Stück auf die projekttheaterbühne, welches an Professionalität und Direktheit kaum zu überbieten war. „Behind the Body“ gewann 2015 den ersten Preis des internationalen Choreografenwettbewerbs „Les lendemains qui dansent“ in Balavoine (Frankreich).

Den Abschluss bildete dann KURZ & GUT II mit 10 Stücken von Dresdner Künstler_Innen und Gästen der Tanzwoche, alle zwischen 5 und 20 Minuten Länge. Es war eine Lange Nacht zum Welttanztag, welche qualitativ hochwertig, thematisch und künstlerisch abwechslungsreich und nicht zu lang vom zahlreich erschienen Publikum begeistert aufgenommen wurden.

Auch in diesem Jahr waren die Landesbühnen Sachsen wieder mit dabei.

Der Montag, 25.4.16, schmückte sich für über 350 Gäste mit der traditionellen Gala. Es war das letzte Mal, dass Boris Michael Gruhl diese große Schau Sächsischen Tanzschaffens organisierte. Die Landesbühnen Sachsen präsentierten diesen Abend für den Tanz im Tanzjahr Deutschland 2016 wieder sehr engagiert und überaus gastfreundlich. So wurde die Gala ein beispielloser, heiterer und lebhafter Abend in gelungener Atmosphäre und war ein Höhepunkt im Programm der Tanzwoche.

Am 29. April kam dann die Premiere „SILENT MOVIES“, ein stummer Tanzabend voller Illusionen von Carlos Matos, auf die Bühne. Gemeinsam begaben wir uns zurück in die Jahre des beginnenden 20. Jahrhunderts, in die aufregende Zeit des Stummfilms, dessen besonderer Ästhetik sich mit seiner nonverbalen Kunst der des Tanzes nähert. Es war ein wunderbarer Abend.

Auch das Societätstheater öffnete seine Pforten für die Tanzwoche. In diesem Jahr waren 2 herausragende Choreografien dabei.

Die Compagnie Irene K. & Tadashi Endo gestalteten gemeinsam einen Doppelabend im Societätstheater. Während die Compagnie Irene K. mit den Stücken TRYPTIQUE und DIE KUNST DES MONOLOGS zwei eher schwer zugängliche Stücke zeigte, berührte Tadashi Endo das Publikum mit FUKUSHIMA MON AMOUR. Tadashi Endo ist einer der erfolgreichsten Butoh-Tänzer weltweit. Sein Tanz ist wie eine Gratwanderung, zwischen den östlichen und westlichen Kulturen und den Kunstrichtungen Theater, Performance und Tanz, wobei er mit einem Minimum an Bewegung ein Maximum an Spannung und Gefühl im Wandel seiner Bilder erreicht. Es war eine gelungene Kombination dieser beiden Stücke.

THE GUTS COMPANY aus Dresden brachte dann am 21. April ihr neustes Stück „Das Eigene/ HEIMAT“ zur Uraufführung. Johanna Roggan, Dresdner Choreografin und Tänzerin, setzt sich darin mit ihren Tänzerinnen und dem Dresdner Gnadenchor im Rahmen von Doppelpass mit den recht beispielhaften Geschehnissen und Entwicklungen in Dresden und Sachsen in den letzten Monaten auseinander, wo der Heimatbegriff wieder in aller Munde, in den Medien, in sozialen Netzwerken, am Stammtisch ist. Eine gelungene und sehr ambitionierte Arbeit, welche vor ausverkauftem Haus spielte.

Zu guter Letzt spielte dann noch Katja Erfurth ihr neuestes Märchen „DER GEBURTSTAG DER INFANTIN“ – ebenfalls vor ausverkauftem Haus.

Wir freuen uns sehr, dass in diesem Jahr auch das Theaterhaus Rudi wieder mit dabei war. Die Bewerbung von Veranstaltungen im Theaterhaus ist zwar immer sehr schwer, jedoch ist es für uns ein engagierter und sehr ambitionierter Spielort mit einer wunderbaren Bühne.

Hier zeigten wir von der Wiener Compagnie „ich bin o.k.“ das wunderbare Stück GETRENNT – VEREINT, ein Stück mit Profi-Tänzer_Innen mit geistiger Behinderung über das Erwachsenwerden und die Identitätssuche von Menschen mit Downsyndrom. Es war voller spannender und sehr emotionaler Spielideen, witzig und berührend zugleich und zog das nicht sehr zahlreich erschienene Publikum in seinen Bann.

Am 24. und 25. April war dann Jozsef Trefeli aus der Schweiz im Theaterhaus zu Gast. Sein Stück UP setzte vertikalen Tanz gegen die kollektive Kleinwüchsigkeit der Generation Y, welche mit Smartphones und Ipads den Blick nur noch nach unten richtet. Eine großartige Choreographie, welche sich leider nur eines geringen Publikumzuspruchs erfreuen durfte.

Am 26. April war dann Golde Grunske mit ANKOMMEN im Rudi zu Gast, einem Stück, welches sich mit der Suche nach Heimat und Heimatverlust und unserem persönlichen Umgang damit, insbesondere in Bezug auf die Region Lausitz, auseinandersetzt.

Das Europäische Zentrum der Künste Hellerau beteiligte sich in diesem Jahr mit einem „Linie 08 special“ und 2 Stücken, von Anna Till und Reimo Sandau, am Programm der Tanzwoche.

Zu guter Letzt noch kurz ein Wort zur Langen Nacht der Dresdner Theater am 23. April diesen Jahres im projekttheater dresden. Es war kaum zu überbieten. Die knapp 1000 Besucher bei 7 Vorstellungen im Theatersaal und 3 Outdoorveranstaltungen auf der Straße sprechen für sich. Es war ein toller Abend, sowohl für uns als auch für das Publikum. Zu sehen waren neben dem Programm des projekttheaters (Schülerband und Kelvin Kalvus) Tänzer_Innen des TanzNetz Dresden mit einem wunderbaren Improvisationsabend, Jozsef Trefeli mit JINX 103, das Krepsko Dance Theater aus Prag mit „ANNA“, welche 2mal spielten, um der Zuschauerzahlen gerecht zu werden, und Soul City mit „HEVA“ und „TIR PAR KARTE“, zwei kurzen Stücken, welche sie mit Dresdner Tänzer_Innen extra für diesen Abend choreographiert hatten.

2. Organisation

Organisatorisch war diese Tanzwoche wohl eine der Besten.

Das Programm wurde wieder komplett kuratiert. Mitglieder des Kuratoriums waren René Rothe vom Ensemble La Vie, Andrea Hilger von der Ostrale, Nicole Meier von der Tanzbühne Dresden, Alexander Nast und Rahel Raoul als Vertreter_Innen des Publikums.

Die Organisationsstruktur unterteilte sich in

            Julius Skowronek für das Management
            René Rothe für Kuratorium und die Organisation
            Rico Stehfest für die Presse
            Nicole Meier für Kurz & Gut
            Anke Siefke für das Büro
            Dirk Wirzbicki für die Technik und
            Josef Tschernak für die Dokumentation.

René Rothe als Verantwortlicher für die Organisation war äußerst rührig, er organisierte die Übernachtungen, die An- und Abreise, kümmerte sich um die Belange der Künstler_Innen und Gruppen und stand immer zur Verfügung.

Rico Stehfest war für die Pressearbeit verantwortlich. Er übernahm gemeinsam mit Thomas Pegel die Redaktion des Programmheftes, die Endredaktion von Plakat und Citylights, er kümmerte sich um die Presse und den Pressespiegel.

Nicole Meier übernahm kurative Aufgaben und die Organisation von Kurz & Gut. Da sie in diesem Jahr wenig Zeit hatte, war diese Aufgabe genau die Richtige. Sie besorgte Requisiten, kümmerte sich um die Proben und war natürlich bei den beiden Aufführungen vor Ort.

Josef Tschernak war für die Dokumentation verantwortlich. Er war bei vielen Proben mit dabei, ebenso bei Aufführungen, er fotografierte und filmte und stellte die Fotos dann auch ins Internet.

Alles in Allem ein wunderbares Team, welches wir in der kommenden Tanzwoche so behalten wollen.

3. Auswertung

Der Jubiläumsjahrgang der Tanzwoche war insgesamt ein sehr guter. Auf Grund des schmalen Budgets wurde es eine „kleine aber feine“ Tanzwoche, welche durch die kollektive Kooperationen mit Partnereinrichtungen zu einem wirklichen Fest des Tanzes wurde.

Die 25. Tanzwoche Dresden organisierte 2016 insgesamt 39 Veranstaltungen zuzüglich der Langen Nacht der Dresdner Theater mit 5 Beiträgen und den 3 Outdoorveranstaltungen. Es gab 8 Veranstaltungsorte. Insgesamt erlebten ca. 3000 Besucher die zahlreichen Veranstaltungen der Tanzwoche. Dies entspricht insgesamt einer Auslastung von ca. 80 %.

Die erfolgte Programmausdünnung und damit verbunden die größere Übersichtlichkeit für das Publikum zeigten Wirkung. Die Rückkopplung durch unsere Gäste war hier durchweg positiv.

Die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in diesem Jahr war vorbildlich. Das Festival wurde von allen Dresdner Zeitungen und Zeitschriften mit Artikeln bedacht, auch überregionale Angebote waren dabei. Die einzige Ausnahme bildete Die Sächsische Zeitung. Die Veröffentlichung der Veranstaltungen in der Presse und vor allem im Internet war umfassend und zeigte entsprechend Wirkung.

Die Organisation von offenen Trainings, Workshops und Publikumsgesprächen stellte in diesem Jahr ein Problem dar. Zwar wurden – besonders durch Soul City im projekttheater – entsprechende Angebote gemacht, jedoch wurden sie kaum wahrgenommen. Die offenen Trainings ebenso wie die Publikumsgespräche mussten auf Grund der prekären Finanzlage gestrichen werden.

Das größte Problem ist und bleibt die Frage der Finanzierung des Festivals. Die Finanzakquise muss intensiviert werden. Jedoch ist dies auf ehrenamtlicher Basis kaum realisierbar. Um eine solide Ankerfinanzierung für unser einzigartiges Festival muss und wird weiter gestritten werden.

Für das kommende Jahr wird es so sein, dass wir das Kuratorium beibehalten wollen, um die künstlerische Verantwortung in diese Richtung abzugeben. René Rothe wird mehr organisatorische Aufgaben übernehmen. Die web-site der Tanzwoche wird überarbeitet und den aktuellen Gegebenheiten angepasst. Das projekttheater dresden bleibt Festivalzentrum und wird als solches ausgebaut. Rico Stehfest wird wieder die Pressearbeit übernehmen. Julius Skowronek, Dirk Wirzbicki und Anke Siefke treten zurück. Eine Nachfolge für Dirk Wirzbicki muss noch gefunden werden. Julius Skowronek und Anke Siefke treten in die zweite Reihe zurück und stehen beratend zur Seite.

 

4. Zusammenfassung

Mit großem Publikumserfolg und viel Spaß an der Sache wurde die 25. Tanzwoche Dresden gefeiert. Die Veranstaltungen von der Tanzmanege bis zu Tadashi Endo wurden begeistert aufgenommen. Viele neue Kontakte sind entstanden, welche sich in der kommenden Tanzwoche niederschlagen werden.

Es lässt sich zusammenfassen: Die 25. Jubiläums-Tanzwoche war budgetär nicht zu unterbieten, qualitativ großartig und in der Resonanz kaum zu überbieten.

Auswertung der Tanzwoche 2017

Sachbericht zum FESTIVAL
26. Tanzwoche Dresden


19.04. – 1.05.2017

Verein zur Förderung der TANZBÜHNE Dresden e. V.
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1. Zum Programm
2. Organisation
3. Auswertung
4. Zusammenfassung
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Die 26. Tanzwoche 2017 war durchwachsen. Der Neuanfang mit einer neuen künstlerischen Leitung und einer etwas anderen Organisationsstruktur war nicht erfolgreich. Die Gründe hierbei liegen einmal in der Ablehnung der Förderung der Tanzwoche von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen einerseits, die Durchführung einer Tanzwoche (Festival: Dance transit. Praha.Dresden.Leipzig) im Festspielhaus Hellerau und der mangelhaften Führung durch die künstlerische Leitung andererseits.

So erlebte das Publikum eine sehr gemischte Tanzwoche, von ausverkauften oder fast ausverkauften Vorstellungen bis hin zu gar nicht besuchten Aufführungen.

1. Zum Programm

Die Eröffnung der diesjährigen Tanzwoche im Theater Junge Generation war ein Flop. Aufgrund der Umstände – wir waren Untermieter des Mieters tjg – und in diesem Zusammenhang mit den äußeren Zwangslagen, denen wir ausgesetzt waren, wurde es nicht nur von der Kunst sondern auch organisatorisch ein Desaster. Wir konnten keine Werbung machen, keine Plakate aufhängen, keine Flyer auslegen, die Kassenfrauen des tjg gaben keine Auskunft, dass überhaupt eine Veranstaltung stattfand usw. Insofern kamen zur Eröffnung der Tanzwoche mit der Joshua Monten Company aus Bern nur die wenigen (ca. 50) eingeladenen Gäste, was in einem 350 Personen fassenden Saal sehr mager aussah. Auch der Sektempfang im Anschluss an die Vorstellung konnte das nicht retten. Die Company brachte ein Stück mit dem Titel „Freude“ auf die Bühne, welches sich das Thema „Bühnenkampf“ als Sujet hatte. Dieser Bühnenkampf entpuppte sich allerdings nach ca. 20 min als erschöpft und erging sich in Wiederholungen.

Den zweiten Teil der Eröffnung der diesjährigen Tanzwoche übernahmen dann ab 20 Uhr – ganz traditionell und doch immer wieder neu – die KünstlerInnen um Johannes Ratsch und Migiwa Shimizu mit ihrer NOCHE DE FLAMENCO im projekttheater. Der Besuch dieser Vorstellung war analog zu der des tjg, die Stimmung jedoch besser.

Am kommenden Tag (20.4.) war dann die Joshua Monten Company mit einem Outdoorstück vor der Altmarktgalerie zu erleben. Das wiederum lohnte sich. Es war großartig, wie die zwei Männer in „Kill your Darlings“ das Publikum anheizte, mit ihnen gemeinsam „Himmel und Hölle“ zu spielen und dabei tanzten, was das Zeug hielt. Hier sah man die großen Potentiale der Company, die man am Abend zuvor vermisst hatte.

Am Abend gab es dann im projekttheater eine öffentliche Generalprobe zu sehen. Die Company SOUL CITY von der Ile de la Réunion (F) zeigte „HEVA“ und „K#1“, wobei „Heva“ mit den Dresdner Tänzerinnen Yamile Navarro, Kristin Mente und Shirley-Cordula Meissner erarbeitet wurde. Es war sehr spannend zu erleben, wie so ein Stück entsteht. Weitere Aufführungen folgten.
(Soul City ist einer der ältesten Breakdancegruppen der Réunion. Bekannt geworden durch ihre Shows und Battles wurde die Gruppe 2009 schließlich zu einer professionellen Dance Company. Unter der künstlerischen Leitung von Didier Boutiana präsentierte die Gruppe bereits in den vergangenen 2 Jahren REFLEX und PRIYÈR’ SÏ PRIYÈR’. Den Auftritten folgend äußerten die Kompanie und die Verantwortlichen des projekttheater dresden den Wunsch, mit einem Austausch-Projekt die künstlerische Zusammenarbeit zwischen der Réunion und Deutschland zu fördern. Dieses Austauschprojekt widerspiegelte die Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten, seien es Produktionspraktiken, Schaffen und Ausstrahlung in Frankreich, Deutschland und in ganz Europa.)

Das frisch renovierte Societaetstheater Dresden präsentierte in diesem Jahr „Queens of Diamonds“, eine Zusammenarbeit zwischen dem israelischen Choreografen Yaron Shamir und der Dresdner Company JuWie Dance Company. Die „Queens of Diamonds“, getanzt von Vera Ilona Stierli, Jule Oeft, Nora Vladiguerov und Risa Kojima, zeigten zarte, leise Töne und Bewegungen, unterbrochen von emotionalem Tanz um das Sein in einem sehr sparsamen Bühnenbild, dafür mit großartigem Licht. Zwei rundum gelungene Aufführungen.

Der Samstag (22.4.) stand dann ganz im Zeichen der traditionellen Gala, welche in diesem Jahr nicht ganz so klassisch daherkam. Für die rund 250 Gäste wurde in den Landesbühnen Sachsen Ballett aus Sachsen gemischt mit Tanz der Tanzwoche. Es war abwechslungsreich, spannend und heiter, ein wunderbarer Abend in einem überaus gastfreundlichen Haus. Dieser Abend war sicherlich einer der sparsamen Höhepunkte in dieser Tanzwoche.

Auch „Tango Piazolla“ in der Choreografie von Carlos Matos war ein wunderbarer Abend in den Landesbühnen Sachsen.

Am Montag und Dienstag kamen dann im projekttheater dresden 4 kurze Stücke zur Aufführung. Da sie aber nicht so ganz kurz waren (zwischen 5 und 20 Minuten Länge) hieß der Abend „Halb kurz und richtig gut“. Das Publikum hielt sich in Grenzen, vielleicht weil es Montag, Dienstag war, vielleicht, weil viele die Choreografien von Sebastian Rietz und von Laura Keil und Mami Kawabata bereits in Hellerau gesehen hatten. Der Besuch und auch die Qualität der gezeigten Stücke kamen nicht an den Erfolg der vergangenen Jahre heran.

Seit wir im Jahre 2012 das Doppelpass Projekt der Kulturstiftung des Bundes durchgeführt haben, stellen wir jährlich ca. 4 Companien das projekttheater dresden für Residenzen zur Verfügung. Hierbei geht es um Austausch von Künstlern und Kultureinrichtungen, um das Aussenden von Impulsen, um Inspiration und Belebung. Damit fördern die deutsche und internationalen Kunst- und Kulturszene nachhaltig und eröffnen neue Horizonte.
In diesem Jahr waren es Niko von Harlekin und Leila Bakthali, welche im Oktober und November 2016 in den Räumen des projekttheaters „The Ordinary Life of Lilly Lesloyd“ erarbeiteten. Nun konnte dieses Stück im Rahmen der Tanzwoche Dresden gezeigt werden. Begleitet wurde es von einer Soloperformance von Niko von Harlekin „Der Wanderfalke“. Während das erste Stück outdoor sehr gut ankam, hielt sich die Begeisterung des Publikums beim 2. Stück in Grenzen. Nur 24 Menschen bei zwei Aufführungen wollten das Stück sehen – eine sehr magere Zahl an Zuschauern.

Wir freuen uns sehr, dass in diesem Jahr auch das Theaterhaus Rudi wieder mit dabei war. Die Bewerbung von Veranstaltungen im Theaterhaus ist zwar immer sehr schwer, jedoch ist es für uns ein engagierter und sehr ambitionierter Spielort mit einer wunderbaren Bühne.
Hier zeigten wir „Körper“ des Mondstaubtheaters Zwickau, eine zauberhafte Darstellung mit spannenden und witzigen Spielideen. Es zog das zahlreich erschienene Publikum in seinen Bann. Auch die Kinderveranstaltung „Das Funkeln der Träume“ der KinderTanzGruppe DIALOG (Dresden) erfreute sich vieler kleiner und großer Besucher.

Im projekttheater dresden wurde vom 28.4. bis 1.5.2017 der Themenschwerpunkt „Inklusion ins Festival“ durchgeführt. Hier ging es um die Einbeziehung von Menschen mit multiplen Behinderungen in das Programm der Tanzwoche. Für diese Menschen spielt das Erleben, Erarbeiten und Aufführen von Kunst und Kultur eine sehr große Rolle. Es sind Professionelle KünstlerInnen mit Inselbegabungen.
Dazu haben wir vier Companien eingeladen, „Proty boty“ aus Brünn, „Freedom 4“ aus Prag, „ich bin o.k.“ aus Wien und „multifil identity“ aus Dresden, welche gemeinsam über Geräusche, Klänge, Musik und Bewegung das zahlreich erschienene Publikum verzauberten.
Am 17./18./19. März fand ein Workshopwochenende mit Präsentationen statt, bei welchem man die Klasse der Companien bereits bewundern konnte. Nun, im April, zeigten sie ihre Stücke in ganzer Länge. Besonders hervorzuheben waren „ich bin o.k.“ und „multifil identity“, die den kleinen Saal des projekttheaters „rockten“. Wunderbare Stücke voller Emotion waren entstanden und wurden vom Publikum begeistert aufgenommen.

2. Organisation

Organisatorisch gab es in dieser Tanzwoche viel zu verbessern, zu verändern, zu verstehen.

Veränderungen sind ein ständiger Wegbegleiter. Veränderungen vermeiden heißt Stillstand, Veränderungen nutzen heißt Chancen wahrnehmen und Verbesserungen ermöglichen.

In diesem Jahr gab es einige Neuerungen und damit Unwägbarkeiten.

Es begann damit, dass die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen zum ersten Mal seit über 20 Jahren den Antrag zur Förderung der Tanzwoche Dresden ablehnte. Das bedeutete, 20.000,00 Euro weniger im Budget.

Dann kam das Festival „Dance transit. Praha.Dresden.Leipzig“ des Europäischen Zentrums der Künste hinzu, welches genau im Zeitraum der Tanzwoche (21.-29.4.17) stattfand und damit Konkurrenz um das wenige Publikum schürte.

Als letzten ausschlaggebenden Punkt hatten wir einen Wechsel in der künstlerischen Leitung. Nicole Meier sollte von diesem Jahr an selbige übernehmen und das Programm der Tanzwoche mit Leben füllen. Dieses klappte nur bedingt.

Das Programm wurde wieder kuratiert. Mitglieder des Kuratoriums waren Andrea Hilger von der Ostrale, Nicole Meier von der Tanzbühne Dresden, Rahel Raoul und Clair ??  als Vertreter_Innen des Publikums.

Die Organisationsstruktur unterteilte sich in

            Julius Skowronek für das Management
            Nicole Meier für die künstlerische Leitung und das Kuratorium
            René Rothe für die Organisation
            Rico Stehfest für die Presse
            Anke Siefke für das Büro
            Dirk Wirzbicki für die Technik

René Rothe als Verantwortlicher für die Organisation war äußerst rührig, er organisierte die Übernachtungen, die An- und Abreise, kümmerte sich um die Belange der Künstler_Innen und Gruppen und stand immer zur Verfügung. Desweiteren übernahm er in diesem Jahr die organisatorische Leitung der Gala. Auch hier kümmerte er sich um die Übernachtungen, stimmte das Programm gemeinsam mit Carlos Matos und Wencke Kriemer de Matos ab, übernahm die technische Einrichtung der Stücke und zahlte die Künstler aus.

Rico Stehfest war für die Pressearbeit verantwortlich. Er übernahm gemeinsam mit Thomas Pegel die Redaktion des Programmheftes, die Endredaktion von Plakat und Programmheft, er kümmerte sich um die Presse und den Pressespiegel.

Nicole Meier übernahm die künstlerische Leitung und die Leitung des Kuratoriums.

Auf Grund des sehr schmalen Budgets durch die Absage der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen war das Programm der Tanzwoche recht schmal. Dank der kollektiven Kooperationen wurde sie aber dennoch möglich gemacht. Die TANZBÜHNE Dresden präsentierte im Rahmen der Tanzwoche nur die Eröffnungsveranstaltung im tjg, die Reihe „Halb kurz und richtig gut“ und „Der Wanderfalke“. Alle anderen Programmpunkte lagen bei den einzelnen Häusern, so präsentierte das Societätstheater „Queens of Diamonds“, das Theaterhaus Rudi das Mondstaubtheater und die Kindertanzgruppe zum Welttanztag, die Landesbühnen Sachsen die Gala und „Tango Piazolla“ und das projekttheater dresden die Outdoorperformances, „Noche de Flamenco“, Soul City sowie den Themenschwerpunkt „Inklusion ins Festival“. Diese Veranstaltungen wurden auch durch die einzelnen Häuser betreut.

3. Auswertung

Die 26. Tanzwoche Dresden organisierte 2017 insgesamt 32 Veranstaltungen inclusive der 4 Outdoorperformances. Es gab 5 Veranstaltungsorte zuzüglich des Külz-Ringes und des Jorge Gomondai Platzes. Insgesamt erlebten ca. 1600 Besucher die zahlreichen Veranstaltungen der Tanzwoche. Dies entspricht insgesamt einer Auslastung von ca. 52 %.

Im Vergleich zum Vorjahr ist dieses äußerst wenig.

Die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in diesem Jahr ließ einige Wünsche offen. Zwar wurde die Tanzwoche von der DNN, der Morgenpost, sogar der Sächsischen Zeitung und einigen Zeitschriften mit Artikeln bedacht, jedoch waren die Veröffentlichungen der Veranstaltungen im Internet eher mangelhaft.

Das größte Problem ist und bleibt die Frage der Finanzierung des Festivals. Die Finanzakquise muss intensiviert werden. Jedoch ist dies auf ehrenamtlicher Basis kaum realisierbar. Um eine solide Ankerfinanzierung für unser einzigartiges Festival muss und wird weiter gestritten werden.

In unserem Auswertungsgespräch wird es um folgende Fragen gehen:

Was ist die Vision der Tanzwoche?

Wozu brauchen wir eine Tanzwoche? Diese Frage muss neu und aufrichtig diskutiert werden. Nach dem Desaster von diesem Jahr stellt sich die Frage nach der Vision erneut, vor allem im Zusammenhang mit ansteigender Konkurrenz (Festspielhaus Hellerau) und abnehmender Förderung (Kulturstiftung des Freistaates Sachsen).

Wo sind wir jetzt?

Die diesjährige Tanzwoche muss ausgewertet werden. Dazu gehören die Erforschung von Ursachen und nachfolgenden Wirkungen, die Analyse der einzelnen organisatorischen Strukturen und Gefüge.

Wo wollen wir hin?

Wir müssen uns mit den Prioritäten auseinandersetzen, den Umfang von Veränderungen festlegen, neue Ziele setzen. Nur so kann ein Festival dieser Größe Erfolg haben.

Wie kommen wir dorthin?

Es sollten Maßnahmen und Aktivitäten festgelegt werden, die zur Verwirklichung der Vision der Tanzwoche dienlich sind.

Wie können wir den Schwung beibehalten bzw. reaktivieren?

 

4. Zusammenfassung

Mit verhaltenem Publikumserfolg und ohne besonderen Spaß an der Sache wurde die 26. Tanzwoche Dresden durchgeführt. Der Besuch der Veranstaltungen war eher mäßig.

Es lässt sich zusammenfassen: Die 26. Tanzwoche war budgetär nicht zu unterbieten, qualitativ ausbaufähig und in der Resonanz dringend zu überarbeiten.

Auswertung der Tanzwoche 2018

Sachbericht zum FESTIVAL
27. Tanzwoche Dresden

19.04. – 29.04.2018
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Verein zur Förderung der TANZBÜHNE Dresden e. V.
Detlef G. Skowronek
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1. Zum Programm
2. Organisation
3. Auswertung
4. Zusammenfassung
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„Die 26. Tanzwoche 2017 war durchwachsen. Der Neuanfang mit einer neuen künstlerischen Leitung und einer etwas anderen Organisationsstruktur war nicht erfolgreich. So erlebte das Publikum eine sehr gemischte Tanzwoche, von ausverkauften oder fast ausverkauften Vorstellungen bis hin zu gar nicht besuchten Aufführungen.“ (Sachbericht 2017)

Aus den Erfahrungen des vergangenen Jahres haben wir gelernt.

Nach der Tanzwoche 2017 setzten wir, das organisatorische Leitungsteam, bestehend aus Julius Skowronek, Rene Rothe-Schindler, Rico Stehfest, Nicole Meier, Dirk Wirzbicki und Anke Siefke, uns zusammen, werteten aus, schmiedeten Pläne und versuchten, die im vergangenen Jahr benannten Probleme auszuräumen. Das Ergebnis war ein neues Konzept, auf dessen Basis wir begannen zu arbeiten.

Herausgekommen ist eine Tanzwoche, welche uns alle, das Publikum und die Presse begeisterte. Es war ein tolles Programm mit vielen Facetten, wir zeigten von einem Tanzfond-Erbe Projekt über Kinder- und Jugendveranstaltungen bis hin zu kleinen und großen Aufführungen verschiedener KünstlerInnen alles, was der Tanz an  neusten Tendenzen von Zeit und Gesellschaft zu bieten hat. Besonderen Wert legten wir dabei auf den kulturellen Austausch, einmal der KünstlerInnen verschiedener Companys untereinander, aber auch der Austausch von KünstlerInnen und Publikum. Und dieser Plan ging auf. Die 27. Tanzwoche Dresden wurde eine Abenteuerreise in die Welt von wort- aber nicht sprachlosem Theater.

1. Zum Programm

Die Eröffnung der diesjährigen Tanzwoche übernahmen am 19.4.18 ab 20 Uhr – ganz traditionell und doch immer wieder neu – die KünstlerInnen um Johannes Ratsch und Migiwa Shimizu mit ihrer NOCHE DE FLAMENCO im projekttheater.

Der kommende Tag (20.4.) war dann wieder für die traditionelle Gala reserviert, welche in „altgewohnter“ Manier in den Landesbühnen Sachsen stattfand. Es war ein – zwar eher sparsam besuchter, aber – großartiger Abend für die ca. 200 BesucherInnen. Klassisches Ballett aus Sachsen wurde wieder mit Beiträgen von KünstlerInnen der Tanzwoche gemischt, moderiert von Rene Rothe-Schindler und Wenke Kriemer de Matos, es wurde sehr emotional, aber auch fesselnd und zuweilen beschwingt. In der Pause erfreute uns die Joshua Monten Company mit „Kill your Darlings“, einem sehr heiteren Outdoor-Stück. Es war ein rundum gelungener Abend in einem äußerst gastfreundlichen Haus.

Der Samstag stand dann ganz im Zeichen von Outdoor, Kindern und Emotionen.
Wir begannen um 11 Uhr mit „Kill Your Darlings“ vor der Altmarktgalerie, dann um 13.30 Uhr auf dem Gomondai Platz, um 15 Uhr auf dem Scheune Vorplatz und als Abschluss um 17.30 Uhr auf dem Alaunplatz. Es waren großartige Aufführungen, es lohnte sich unbedingt. Es war spannend zu beobachten, wie die zwei Männer der Joshua Monten Company das Publikum anheizten, mit ihnen gemeinsam „Himmel und Hölle“ zu spielen und dabei tanzten, was das Zeug hielt.
Zwischendrin, um 16 Uhr, erlebten zahlreiche Kinder die Company Malfalda aus der Schweiz mit ihrem Stück „Zick Zack Puff“ in der Jugendkunstschule auf dem Schloß Albrechtsberg. Schloß Albrechtsberg ist ein altbekannter und inhaltlich wieder neuer Partner der Tanzwoche, welcher sehr engagiert und voller Elan an die Umsetzung des Stücks ging und wirklich gute Arbeit geleistet hat. Bunt, fantasievoll und abwechlungsreich kam das Stück daher und begeisterte die ZuschauerInnen zwischen 5 und 12 Jahren – wie auch die begleitenden Erwachsenen.
Den Abend gestalteten dann Ameno mit „Emotions“ im Theaterhaus Rudi und verschiedene KünstlerInnen bei „Kurz und Gut I“ im projekttheater, welches unter dem großen Thema „Liebe“ stand. Während Ameno im Theaterhaus Rudi ausverkauft war, kamen im projekttheater nur knapp 50 BesucherInnen (73%). Aber die Stimmung war gut, die Programmbeiträge überwältigend.

Der Sonntag begann dann mit der 2. Vorstellung von Malfalda.
Um 15 Uhr gab es dann die Outdoor-Veranstaltung von der Companie „La Veritas“ aus Belgien, welche auf dem Alaunplatz ihre Auffassung einer Reise zeigten. Diese Aufführung bestach vor allem durch die Interakion von Publikum und KünstlerInnen, die großartig war. So kann man Konflikte lösen!
Ebenfalls 15 und 18 Uhr gab es dann „Stich“ im Theaterhaus Rudi, ein Stück von Yaelle Dorison und Martina Morasso, in dem es um die Verbindung von Bildender und Darstellender Kunst ging. Viele Kinder erlebten diese inspirierte Arbeit.
Im projekttheater gab es am Sonntag und Montag „#atme“ der Szene2wei Company aus Lahr im Schwarzwald zu erleben. Ein streitbares Stück, inklusiv und spannend, mit körperlich und geistig behinderten und „normalen“ Menschen, versunken in Anbetung einer großen Plastik-Statue eines perfekten Menschen, welche demontiert und wieder zusammengesetzt wurde. Es ging um die Perfektion an sich, wann ist ein Mensch perfekt, was sollte er können, wie aussehen.
Im Staatsschauspiel Dresden – Kleines Haus gab es um 16 Uhr die Eröffnungsveranstaltung des Kulturjahres SUCHT 2018. Die Uraufführung des Stückes “Enter2Esc“ der Company Captain Kitchen aus Dresden kam sehr gut an. Es ging um Drogenentziehung im Rahmen einer Familie. Die nachfolgende Vorstellung um 18 Uhr war ebenfalls ausverkauft. Dieses Stück wurde danach noch im projekttheater dresden und im Theaterhaus Rudi für SchülerInnen angesetzt.

Am Dienstag stand dann der Lindy Hope Tanzabend im Kulturzentrum Scheune auf dem Programm. Fast 200 Menschen tanzten bis in den späten Abend hinein.
Parallel dazu gab es im projekttheater „Kurz&Gut II – SUCHT“ mit kurzen Stücken zu diesem Thema. Der Abend war durchwachsen, die Stücke vor allem kurz, nicht alle wirklich gut.

Am Mittwoch erlebten die Menschen, die es erleben wollten, „Pal, mein Bruder“ der Wiener Tanzcompany „ich bin o.k.“. Es wurde sozusagen zur Premiere, da die beiden HauptdarstellerInnen nicht nach Deutschland einreisen durften. Es ging um 2 indische Flüchtlinge, die in Wien beginnen zu tanzen und sich auf diese Weise ihre Welt neu erobern. Da jedoch zwei der Flüchtlinge noch keine Aufenthaltsgenehmigung hatten, durften sie Österreich nicht verlassen. So wurden die Sequenzen, in denen die beiden tanzten über Video eingespielt, was dem ganzen einen zusätzlichen Charme verlieh. Wir hoffen, im kommenden Jahr die Beiden bei uns begrüßen zu dürfen.

Am 26. April war es dann soweit. Wir präsentierten die seit einer Woche in Dresden weilende Paraopeba Cie Danca aus Brasilien mit ihrem Stück „Tchibum“. In diesem Stück ging es um den Wassermangel in Brasilien und das Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo in Frankreich. Wer nun glaubte, bitterernste Themen bedürfen bitterernster Bearbeitung, der hatte sich geirrt. Die Brasilianer waren nicht nur sehr angenehme Zeitgenossen, sie näherten sich diesen Themenschwerpunkten mit Humor und vor allem Spaß. Es waren 2 großartige Vorführungen im Kulturzentrum Scheune.
Im Theaterhaus Rudi gab es am Donnerstag und Freitag etwas ganz Besonderes zu erleben. Wir präsentierten ein Tanzfond-Erbe Projekt mit dem Titel „wegehen“, ein Gastspiel über Karin Waehner (1926-1999) - Eigensinnig in Zwischenräumen, welche Performance & Lecture über Karin Waehner mit „celui sans nom-Rekreation 2018“ miteinander vereinte. Leider kamen nur sehr wenig ZuschauerInnen zu diesem Stück.
Das projekttheater präsentierte um 20 Uhr die Company Lotte aus Israel ihr wunderbares Stück „Paper Play“. Hier war alles aus Papier, es war eine lustige und verspielte Aufführung, welche alle – BesucherInnen wie MitarbeiterInnen - begeisterte.

Am Freitag erlebten dann ca. 50 Gäste im ausverkauften Societätstheater „An Invitation“ auf der großen Bühne, eine sehr heitere, schöne Inszenierung zwischen Performance, Bildender Kunst und Tanz.

Am Samstag stand dann „Massa Mobil“ der Company um Wagner Moreira auf dem Vorplatz des Neustädter Bahnhofs auf dem Programm. Begegnung mit dem Publikum und Einbeziehung desselben in die Performance waren das Thema und es wurde grandios umgesetzt. Am Ende tanzte der gesamte Vorplatz, natürlich nicht der Platz, aber so ziemlich alle Anwesenden.
In den Landesbühnen Sachsen konnte das zahlreich erschienene Publikum an diesem Abend die Uraufführung von „Bolero“ erleben, welcher in 3 Teilen von 3 Choreografen unterschiedlich interpretiert und umgesetzt wurde. Maurice Ravels Experimentierlust spiegelte sich dabei in allen Bildern wider.
Im projekttheater gab es 2 Vorstellungen an diesem Abend, einmal das inklusive Stück „Kafkasia“ von multifil identity als Premiere und im Anschluss noch einmal „Paper Play“. Kafkasia – ein Stück über das Leben und Werk Kafkas, in Szene gesetzt von KünstlerInnen aus Brno und  Dresden.

Der Welttanztag stand im projekttheater ganz im Zeichen von Inklusion. Es wurde um 15 Uhr mit einer Präsentation der Ergebnisse der Workshops begonnen, welcher über den gesamten Festivalzeitraum stattfand. Es war eine großartige Aufführung voller Spaß und Freude, die in einem gemeinsamen Tanzen von Alt und Jung, von Menschen mit sichtbaren und unsichtbaren Behinderungen endete. Danach gab es noch einmal Kafkasia zu erleben bevor dann um 20 Uhr die Absolventinnen des Studiengangs Tanzpädagogik gemeinsam mit dem Publikum improvisierten.
Parallel dazu gab es im Kleinen Haus des Staatsschauspiels um 16 und um 20 Uhr die Choreografie von Inbal Osman „M Stabat Mater“ zu erleben, die das Publikum z.T. Zu Tränen rührte.


2. Organisation

Organisatorisch war diese Tanzwoche besser aufgestellt, als im Jahr davor, wenn es auch noch einiges zu verbessern gibt.
Das Programm wurde in diesem Jahr nicht kuratiert, sondern reflektiert. D.h. nach Auswahl und Setzen der Programmpunkte wurde alles an ein sogenanntes Reflektorium gegeben, welches die Programmbeiträge „absegnete.

Die Organisationsstruktur unterteilte sich in
    Julius Skowronek für das Management
    René Rothe für die Organisation
    Rico Stehfest für die Presse
    Anke Siefke für das Büro
    Dirk Wirzbicki für die Technik

René Rothe als Verantwortlicher für die Organisation war äußerst rührig, er organisierte die Übernachtungen, die An- und Abreise, kümmerte sich um die Belange der Künstler_Innen und Gruppen und stand immer zur Verfügung. Desweiteren übernahm er auch in diesem Jahr gemeinsam mit Wenke Matos die organisatorische und künstlerische Leitung der Gala. Auch hier kümmerte er sich um die Übernachtungen, stimmte das Programm gemeinsam mit Carlos Matos und Wencke Kriemer de Matos ab, übernahm die technische Einrichtung der Stücke und zahlte die Künstler aus.

Rico Stehfest war für die Pressearbeit verantwortlich. Er übernahm gemeinsam mit Thomas Pegel die Redaktion des Programmheftes, die Endredaktion von Plakat und Programmheft, er kümmerte sich um die Presse und den Pressespiegel. Das klappte in diesem Jahr noch nicht überzeugend. Die Programmhefte kamen zu spät, die Verteilung von Plakaten und Heften war suboptimal. Als sich ein Einbruch der Zuschauerzahlen, vor allem hervorgerufen durch das schöne Wetter, abzeichnete, fehlten uns Ideen, dem gegenzusteuern. Dieses muss und wird sich im kommenden Jahr ändern. Das Fahrgast-TV der DVB funktionierte 2018 nicht wie in den Vorjahren.

Auf Grund des sehr schmalen Budgets konnten Programmteile nicht oder nur teilweise umgesetzt werden. Dank der kollektiven Kooperationen wurde sie aber dennoch bestmöglich ausgeführt. Diese Veranstaltungen wurden auch durch die einzelnen Häuser betreut.

Ein großer Dank gilt dem Technikerteam der Ostrale Dresden, welches die Tanzwoche mit Tatkraft und Mobilität unterstützte und sowohl Vorstellungen mit einrichteten und betreuten, als auch mit ihrem Tranporter der Tanzwoche zur Verfügung standen. Diese Kooperation war neu in diesem Jahr, ist für das Netzwerkprojekt TW aber bezeichnend.

3. Auswertung

Die 27. Tanzwoche Dresden organisierte 2018 insgesamt 45 Veranstaltungen inclusive der Outdoorperformances. Es gab 7 Veranstaltungshäuser zuzüglich der Freiluftorte, des Külz-Ringes, des Jorge Gomondai Platzes, des Scheuen Vorplatzes, des Alaunplatzes und des Neustädter Bahnhofs für die Outdoor-Performances. Insgesamt erlebten ca. 2500 Besucher die zahlreichen Veranstaltungen der Tanzwoche. Es waren 37 beteiligte Ensebles mit 165 Künstler in der Tanzwoche 2018 präsent.

Der Besuch entspricht insgesamt einer Auslastung von ca. 62 %.
Dies blieb hinter unseren Erwartungen zurück, wobei das frühsommerliche Wetter allen Veranstaltern in Dresden den Besucherzuspruch versonnenscheinte.
War es noch eine Woche vor Beginn der Tanzwoche kalt mit Temperaturen um den Gefrierpunkt kam pünktlich zur Tanzwoche die Sonne heraus und es wurden schlagartig 25 Grad Celsius. Die Menschen wollten da natürlich draußen sein und nicht in ein Theater gehen. So kamen die Outdoor-Perforamnces ja auch super an, während es Indoor doch oftmals eher mau aussah.

Auch die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in diesem Jahr ließ einige Wünsche offen. Zwar wurde die Tanzwoche von der DNN, der Morgenpost, sogar der Sächsischen Zeitung und einigen Zeitschriften mit Artikeln bedacht, jedoch waren die Veröffentlichungen der Veranstaltungen im Internet eher mangelhaft. Das Programmheft kam erst am 13. April, was viel zu spät ist. Hier gibt es im kommenden Jahr noch so einiges zu verbessern. Ebenso die Verteilung der Plakate und Programmhefte.

Das größte Problem ist und bleibt die Frage der Finanzierung des Festivals. Die Finanzakquise muss intensiviert werden. Jedoch ist dies auf ehrenamtlicher Basis kaum realisierbar. Um eine solide Ankerfinanzierung für unser einzigartiges Festival muss und wird weiter gestritten werden. Wir hoffen auch auf ein deutliches Bekenntnis der Stadt zu dem Festival, nur dann können wir auch andere Partner mit überzeugen.

4. Zusammenfassung

Mit verhaltenem Publikumserfolg und trotzdem besonderem Spaß an der Sache wurde die 27. Tanzwoche Dresden durchgeführt. Der Besuch der Veranstaltungen war eher mäßig, nicht desto trotz war das Programm großartig.

Es lässt sich zusammenfassen: Die 27. Tanzwoche war budgetär deutlich besser aufgestellt als 2017, was jedoch auch an den Nachtragsfinanzierungen aus Projekten von 2017 lag (Aktion Mensch), qualitativ war sie überwältigend und in der Resonanz überdurchschnittlich wohlwollend aufgenommen, jedoch durch das Wetter zahlenmäßig hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben.

Dresden, 29. 05. 2018
D. G. J. Skowronek

Auswertung des Jahres 2014

Sachbericht
zur Haushaltsabrechnung Spielstätte projekttheater dresden
2014


1.    Die Anzahl der 2014 durchgeführten Veranstaltungen und Projekte wurde beibe-halten.
2.    Das Projekt DOPPELPASS der Bundeskulturstiftung zwischen theatraler subversion und projekttheater dresden wurde im Sommer abgeschlossen.
3.    Die Zusammenarbeit mit Schulen wurde 2014 intensiviert, neue Partner gewonnen.
4.    2014 wurde der 2013er Problemschwerpunkt „Wohnung 4. Etage“ endgültig ad acta gelegt und die Wohnung neu vermietet.
5.    Resümee

2014 kam es im projekttheater zu 37 Premieren neuer Stücke, davon 9 aus der Sparte Theater, 3 aus der Sparte Tanz (außerhalb der Tanzwoche Dresden), 15 Projekte mit Schülern verschiedener Schulen (Gymnasium Dreikönigschule, Montessorischule, Freie Alternativschule, Internationale Schule). Im Rahmen der Tanzwoche Dresden kam es zu 10 Erstaufführungen.

Die bestehenden Kooperationen und Koproduktionen wurden bei-behalten und ausgebaut.

Dies betrifft u.a. die bühne der TU Dresden, welche mit insgesamt 4 Spielblöcken „Zu Gast bei Freunden“ und einem mit uns gemeinsam durchgeführten Projekt vor allem im 2. Halbjahr 2014 sehr präsent war.
Wie bereits in den vergangen Jahren erarbeiteten wir gemeinsam einen kulturellen Beitrag für die jährliche BRN. In diesem Jahr begaben wir uns auf „Die Suche nach der verlorenen BRN“ und machten den Weg frei zu Gründung einer eigenen Republik. Über 200 neue Republiken wurden gegründet und mit Feldsalat, Grünkohl o.ä. begrünt. Unsere Republiken waren wirklich bunt und manche Besucher wollten gar nicht mehr zurück auf das Gelände der Ballermann Republik Neustadt. Vor allem junge Menschen waren überrascht, daß die BRN einen politischen Ausgangspunkt hatte und es gab zahllose Gespräche über die Geschichte, die Ansprüche und die Entwicklungen der BRN als Brennglas unserer Gesellschaft.
Das Weihnachtsspecial YMVA im Dezember brach auch 2014 sämtliche Besucherrekorde.

Seit September 2014 können wir einen neuen Partner in der Reihe „Zu Gast bei Freunden“ begrüßen. Gemeinsam mit den Landesbühnen Sachsen haben wir verschieden Gastspiele in unseren Häusern vereinbart.

Auch die Zusammenarbeit mit dem conduco e.V. wurde ausgebaut. So wurde 2014 nicht nur der Workshop mit 15 Jugendlichen mit Downsyndrom aus Polen, Russland und Tschechien durchgeführt und ein wunderbares daraus entstandenes Theaterstück präsentiert. Im November führte der Verein in unseren Räumen ein Gastpiel des ARKAteatr aus Breslau durch. „Die Moral der Frau Dulska“ wurde zu einem Highlight des Jahres 2014. Dieser Kontakt soll 2015 intensiviert werden.

Auch das jährlich stattfindende Präventionsprojekt „Hau ab, du Angst“ der SHUKURA - Fachstelle zur Prävention sexualisierter Gewalt an Mädchen und Jungen der AWO Kinder-und Jugendhilfe gemeinnützige GmbH war wieder ein voller Erfolg und wurde von 600   8-10jährigen Schülern und Erwachsenen besucht.

Im Februar 2014 öffneten wir unsere Pforten für ein, im pt bisher eher unterbelichtetes, Genre: dem KABARETT. Wir starteten die erste Dresdner Kabarettwoche und zeigten vom 10. bis 16. Februar 2014 geballte Politsatire. Obwohl in der Dresdner Neustadt nicht zu Hause, fand dieses Experiment schnell sein Publikum, so daß nach anfänglichen Startschwierigkeiten das Projekt erfolgreich zum Abschluss gebracht werden konnte. Im März 2015 wird es dann die 2. Dresdner Kabarettwoche geben.

Im April 2014 feierten wir gemeinsam mit allen Begeisterten des Tanzes die jährlich stattfindende Tanzwoche Dresden, immer ein besonderer Höhepunkt in jeder Spielzeit.

Ein weiterer jährlicher Höhepunkt ist die Lange Nacht der Dresdner Theater, welche im Mai 2014 zum 3. Mal stattfand. Mit 7 Veranstaltungen und ca. 750 Besuchern ist hier eine sehr positive Bilanz zu ziehen.

Auch die Kommunalwahlen im Mai 2014 wurden thematisiert. Gemeinsam mit coloradio fand in unserem Haus eine Gesprächsrunde mit Kandidaten der Parteien statt. Diese wurde live auf coloradio übertragen.

Der Juni brachte uns eine anarchistisch organisierten Truppe aus jungen Schauspielern und Schauspielern, die es mal werden wollen und solchen, die es nicht sind, ins Haus. Ihnen war langweilig im Alaunpark und so inszenierten sie „Die Physiker“ von Dürrenmatt und schufen ein unbedingtes Highlight in unserer Spielzeit. Das Publikum war nicht mehr zu fassen, wir mussten sogar eine Sondervorstellung ansetzen, um allen die wollten, dieses Stück zeigen zu können.

Im Juli 2014 wurde mit dem Festival „ALLES NEU“ und einer kompletten Werkschau verbunden mit Diskussionsrunden und Vorträgen das Projekt DOPPELPASS der Kultur-stiftung des Bundes beendet. Mit diesem beispielhaften und schätzenswerten Programm DOPPELPASS gab die Kulturstiftung des Bundes Künstlern und Häusern für 2 Jahre die Freiheit, die Neues braucht, um entstehen zu können. Durch die Bereitstellung einer finanziellen Grundsicherung durch die Bundeskulturstiftung wurden Freiräume geschaffen, jenseits von existentiellen Zwängen künstlerische Arbeit zu leisten.
Zwischen September 2012 und Juli 2014 sind durch das Künstlerkollektiv theatrale subversion 4 abendfüllende Produktionen als X peditionen entstanden: „1989 [exit ghost]“, „LIEBE“, „Terra Cognita“ und „Epnotia“. Ein besonderer Dank geht hierbei an die Landeshauptstadt Dresden – Kulturamt, die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und die Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank für die Kofinanzierung der Projekte. Im Kooperationszeitraum waren dies 38 Aufführungen, davon 4 Aufführungen „außer Haus“, welche insgesamt von 1189 Gästen besucht wurden.

Auch das 2. Halbjahr hielt noch einen besonderen Höhepunkt für uns und für das Publikum bereit.
Im Dezember 2014 präsentierten wir in einem kleinen Festival die Prager Ausnahmetanzcompany VESELÉ SKOKY an 4 Tagen mit 5 Stücken. Diese Werkschau wurde unterstützt von dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und der Stiftung Dresden der Dresdner Bank.

Natürlich gab es nicht nur Neues, auch Altbewährtes wurde fortgesetzt. Nach wie vor sorgen die Mitglieder von FSK – dem Improtheater der bühne der TU jeden dritten Dienstag für schmerzende Lachmuskeln. Jeden 2. Dienstag im Monat sind die LITERA-TURverführer Dresdens, die Silbernen Reiter im projekttheater zu Gast. Udo Tiffert, Konstantin Turra und Moritz7 laden zu einem Abend voller Lesevergnügen ein.
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Die Arbeit mit sozial und/oder wirtschaftlich schwachen Menschen, Praktikanten und Schülern sowie straffällig gewordenen Jugendlichen und mit Kindern aus sozial schwachen Gebieten wurde in alt bewährter Weise fortgeführt.
Die Nutzung unserer Proberäume für regelmäßig stattfindende Kurse einerseits und die Erarbeitung von Projekten andererseits konnte auslastungsseitig analog zu 2013 fortge-führt werden.
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Sehr glücklich sind wir über den Ausbau der Zusammenarbeit mit Schulen im theatralen Bereich, da wir dieses als äußerst bedeutsam in einer Zeit des wachsenden, unge-bremsten Medienkonsums ansehen.

Die Zusammenarbeit mit der Dreikönigschule von gegenüber wurde natürlich fortgesetzt und mündete in den Sommerkulturtagen im Juli 2014. Mit insgesamt 16 Vorstellungen ist das Gymnasium der bedeutendste Partner in diesem Bereich.

Neu konnten wir die Freie Montessorischule als festen Partner gewinnen. Im Januar 2014 fanden nach einem 2-wöchigen Workshop insgesamt 6 Aufführungen statt, welche großartig waren. Hier kamen die Schüler zum Zug, gestalteten mit, engagierten sich und spielten, was das Zeug hielt.

Auch die Zusammenarbeit mit der Freien Alternativschule wurde fortgesetzt. Mit „Ijon Tichy Raumpilot“ zeigten die Schüler einen Klassiker und hatten vor allem viel Spaß dabei.

Als neuer Partner gewonnen werden konnte die Internationale Schule, welche ihr Thea-terprojekt „A Midsummers Night Dream“ unter der Leitung des Ensembles La Vie im März 2014 bei uns auf die Bühne brachten.

All diese Projekte finden unter der Leitung freier Schauspieler Dresdens statt und bein-halten immer eine auf das Schuljahr bezogene, regelmäßige Arbeit, welche dann in Auf-führungen gipfelt.

Natürlich unterstützten wir auch 2014 zahlreiche Projekte, welche nicht auf unsere Bühne zur Aufführung kamen. Diese Unterstützung geht von der Bereitstellung von Proberäumen über technischen Support bis hin zu personeller Betreuung.

Unabhängig vom Vorstellungsbetrieb konnten die Problemschwerpunkte aus 2013 ausgeräumt werden. Die am 22. Februar 2013 zwangsgeräumte Wohnung in der 4. Etage konnte im Februar 2014 neu vermietet werden. Im Laufe des Jahres gab es im Haus einen fast kompletten Mieterwechsel. Seit Oktober sind wieder alle Wohnungen belegt.

Auch alle Folgemaßnahmen nach dem Brand im Heizungskeller im Mai 2013 und dem sich anschließenden Wasserschaden konnten im Januar 2014 beendet werden.
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Der 2014er Jahrgang war ein ausgesprochen Guter, Erfolgreicher, mit zahlreichen Hö-hepunkten und mit insgesamt ca. 1500 Gästen mehr als im Vorjahr offensichtlich auch ein Beliebter.

Für weitere Erörterungen stehe ich jederzeit zur Verfügung.


Dresden, 07. 1. 2015
D. G. J. Skowronek

Auswertung des Jahres 2015

Sachbericht 2015
zur Haushaltsabrechnung Spielstätte projekttheater dresden


1.    Allgemeines zur Spielzeit
2.    Jahresabriss
3.    Barrierefreiheit
4.    Resümee

1. Allgemeines
Der projekttheater dresden e.V. ist zwar ein freier Träger, er wird jedoch für sein engagiertes, kontinuierliches, konsequentes und kulturpolitisch relevantes Betreiben der Spielstätte projekttheater seit Mitte der 1990er von Stadt und Freistaat maßgeblich unterstützt. 2014 wurde im Interesse der Verwaltungsverschlankung die kommunale Förderung an den Freistaat übergeben – d.h. die Spielstätte hat als öffentlichen Unterstützer maßgeblich den Freistaat Sachsen mit 35 – 45% Zuschuß zum Haushalt (Projekt- und Spielplan abhängig) an ihrer Seite, was eine solide Ausgangsposition für die Fortführung der Arbeit bedeutet. Die weiteren erforderlichen Mittel müssen erarbeitet oder akquiriert werden.

Das Jahr 2015 gestaltete sich durchwachsen, war geprägt von arbeitsreichen Höhen und Tiefen, bescherte uns Spannendes, Dramatisches, Lustiges und Berührendes, aber auch den einen oder anderen Flop, das eine oder andere gescheiterte Experiment.

Insgesamt gab es 197 Vorstellungen. Das ist etwas weniger als in den vorangegangenen Jahren. Gründe liegen einmal in den Baumaßnahmen des Jahres 2015 und in der zu hohen Arbeitsbelastung. Die Anzahl der Gäste lag bei ca. 12.200, was einer Platzauslastung von ca. 72% entspricht.

Das Jahr 2015 brachte uns und dem Publikum 9 Premieren, 3 Uraufführungen, 2 Amateurtheaterprojekte, 6 politische Veranstaltungen wie Foren/Diskussionen, 7 Tanzprojekte außerhalb der Tanzwoche Dresden, 7 Schülertheaterprojekte mit insgesamt 22 Aufführungen, 14 Vorstellungen für Kinder mit über 700 kleinen und großen Besuchern, 3 große Feste (25. Geburtstag des projekttheaters, Dresden isst bunt, Bunte Republik Neustadt) und ergänzend gab es 6 Ausstellungen, welche jeweils mit einer Vernissage eröffnet wurden.
Die bestehenden Kooperationen und Koproduktionen wurden beibehalten und ausgebaut.

„Zu Gast bei Freunden“ ist ein solches Kooperations- und Koproduktionsprojekt des künstlerischen Austausches zwischen Bühnen der Stadt, es geht hier um das Experimentieren mit neuen Formaten, Begegnungen mit und in neuen Räumen, das Zusammenführen verschiedener Künstler und Künste.
Feste Partner sind die bühne der TU und die Landesbühnen Sachsen. Gemeinsam mit den Landesbühnen Sachsen wurden 2015 zwei gemeinsame Produktionen zur Premiere gebracht (Salomé im Mai und Sehnsucht Kuba im Oktober) und Gastspiele (auch nach Kuba) durchgeführt. So zeigten wir die Stücke „Paranoid Park“ für Schüler*innen, „Adams Äpfel“ und nahmen an den TheaterErfahrungen des Jungen Studios teil.
Diese Zusammenarbeit ist äußerst inspirierend für alle Beteiligten und eröffnet neue Wege und neue Räume für die Kunst dieser sehr verschiedenen Bühnen und wird in der kommenden Spielzeit weitergeführt und intensiviert.

2. Jahresabriss
Der Januar des Jahres 2015 brachte uns wieder 6 hochambitioniert und gut gearbeitete Aufführungen von Schülern und Schülerinnen der Montessori Schule, welche in einem 2wöchigen Workshop 3 bezaubernde Stücke erarbeiteten. Dieses Projekt hat, wie die Kooperation mit dem Gymnasium DKS, schon Tradition.
Mit dieser Flanke im Programm unseres Theaters sind wir sehr einverstanden, wird hier doch Bildung, Kultur und Sozialkompetenz vereint. Die Hinführung von Schülern zur Theaterkunst über eine Zusammenarbeit mit Schulen ist äußerst bedeutsam in einer Zeit des wachsenden, ungebremsten Medienkonsums. Und dass für die Entwicklung und Persönlichkeitsentfaltung der Jugendlichen Theater ein sehr passendes Medium ist, welches noch dazu Spaß macht, steht sicher jenseits jeglicher Diskussion.

Im Februar organisierten wir im Rahmen des Forum 13. Februar erstmalig eine Aktionswoche zum Thema Flucht & Asyl, in welcher konzentriert thematisch bezogene Theaterveranstaltungen, Diskussionsforen und Gesprächsrunden angeboten wurden. Am Forum 13. Februar beteiligen wir uns schon seit Jahren, doch diese konzentrierte Form der Auseinandersetzung mit einem bestimmten Thema ist neu in unserem Plan. Gemeinsam mit dem Bündnis Dresden Nazifrei, dem Afropa e.V., dem Syrischen Flüchtlingsensemble aus Leipzig, dem Panischen NotTheater und der Bühne für Menschenrechte gestalteten wir diese politisch hochaktuelle Woche, welche vom Publikum sehr gut angenommen wurde.
In diesem Rahmen startete auch das Gemeinschaftsprojekt von Afropa e.V., bühne der TU und projekttheater „Das interkulturelle Sofa“. Seit dem 5. Februar 2015 ist das Kultursofa in der ganzen Stadt unterwegs, bei zahlreichen Demonstrationen, auf dem Postplatz bei den Postplatzkonzerten von Netzwerk Kultur und Dresden für alle, beim campX Protest-Frühstück am Alexander Puschkin-Platz, bei der Demonstration für Solidarität mit Flüchtlingen, bei der Großdemo am 28. Februar, bei der Langen Nacht der Dresdner Theater, bei der Bürgerkonferenz, beim BürgerDinner, in Schulen, auf Bühnen und und und. Auf Augenhöhe, in entspannter Atmosphäre hat man auf dem Sofa die Möglichkeit, mit Geschichtenerzählern, zum Beispiel Kriegsflüchtlingen, direkt ins Gespräch zu kommen, zu diskutieren, sich kennen zu lernen. Dieses Projekt wird auch 2016 weitergeführt.

Und dann war es soweit. Am 21. Februar 2015 feierte das projekttheater dresden den 25. Geburtstag. Unter dem Motto „Schön sollen die anderen“ vereinigten sich zahlreiche Künstler, alle mit unserem Hause verbunden, um das Publikum mit einem ungewöhnlichen und abenteuerlichen Spaziergang durch das projekttheater zu überraschen. Es ging von hinten nach vorn, hoch und runter, quer und gerade, durch Vergangenheit und Gegenwart. Es wurden Türen geöffnet, die sonst für den Zuschauer geschlossen sind und unsere Gäste erlebten heiter-kuriosen Szenen aus dem Biotop kulturschutzgebiet projekttheater. Es war ein großartiges Fest, es gab viele Geschenke für uns und viele Geschenke für das Publikum, wir feierten jedenfalls bis in den Morgen.

Unsere 2. Kabarettwoche im März stand in dieser Spielzeit unter einem schlechten Stern. Zu erwarten stand wieder geballte Politsatire – doch von den 5 Vorstellungen mussten leider 2 ausfallen, da die Künstler erkrankten, dies war mehr als bedauerlich. Doch davon lassen wir uns in unsere Überzeugung, dass politisches Kabarett ins projekttheater gehört, nicht abschrecken. Die nächste Kabarettwoche wird es vom 29. März bis 2. April 2016 geben, ein bißchen später als in dieser Spielzeit und hoffentlich nach der Grippewelle, die ja Dresden für lange Zeit in Schach hielt.

Im März kam eine Uraufführung auf unsere Bühne. „Halbwegs. Ich“ ist gelebte Geschichte, amüsant und traurig, spannend und banal wie das Leben selbst, hervorragend erzählt und besungen von Utz Pannike.

Am 21. März folgte dann ein Höhepunkt im jährlichen Spielplan. Die Lange Nacht der Dresdner Theater ist für uns immer ein ganz besonderes Event. In diesem Jahr erlebten ca. 600 Gäste ein abwechslungsreiches Programm in unserem Haus, welches durchaus repräsentativ für das Spektrum unseres Spielplanes ist. Die Schülerband „Inspire the Fire“ eröffnete wieder rockig und laut den Abend. Es folgten die Silbernen Reitern mit ihrem etwas anderen Literaturprogramm und sorgten für eine heitere Atmosphäre im Saal. Die Tänzerinnen Nicole Meier und Marlene Tanczik brachten das Theater mit ihren tänzerischen Improvisationen nach Wünschen des Publikums zum Beben und die Flamencokünstler um Johannes Ratsch und Migiwa Shimzu dann als Abschluss zum Kochen. Da vergaß jeder Kälte und Regen. Im Rahmenprogramm hatten wir das Dresdner Trommelensemble zu Gast. Es war wieder ein toller Abend voller Überraschungen.

Und schon stand die Tanzwoche vor der Tür, welche vor 24 Jahren vom projekttheater initiiert und seitdem organisatorisch begleitet wird und in deren Rahmen wir nach wie vor eine Hauptspielstätte sind. Es war ein wahres Fest des Tanzes. Der Publikumszuspruch war hoch, die Darbietungen spannend und kurzweilig, der Unterhaltungswert ausgesprochen hoch, wesentlich höher, als in so manchem anderen Jahr.

Im Mai ging es mit den Zuschauerzahlen endgültig bergauf. Unser Programm wurde konsequent politischer, gesellschaftlich relevanter – und das nahm das Publikum an.
So beteiligten wir uns z.B. am Aktionstag Dresden zur bundesweiten Transnationalen Mobi-Tour für Bewegungsfreiheit, Autonomie und Gutes Leben statt G7 mit der BUKO und zeigten das Stück des Tunesiers Riad Ben Ammar „HURRIA! Theatrale Revolution für Bewegungsfreiheit“, welches Freiheitssuche, Migrationskontrolle, Frontex, Abschiebungen und religiösen Fundamentalismus thematisiert. Auch die Arbeit „Hatersgonnahate – ein Abend für Wladimir Putin“ der jungen Performerinnen Sarah Kindermann und Eva Hintermaier zum Thema männliches Herrscherbild und konstruierte Feindbilder fand sein interessiertes Publikum.

Ebenfalls im Mai feierte im Rahmen unseres Projektes „Kulturtransfer – Zu Gast bei Freunden“ die Produktion „Salomé“ der Landesbühnen Sachsen bei uns ihre Premiere.

Als ein Höhepunkt der sehr intensiven und anregenden Zusammenarbeit zwischen bühne und projekttheater kann man wohl das jährliche gemeinsame Ausrichten eines anarchistischen Programms zur Bunten Republik Neustadt zählen. In diesem Jahr eröffneten wir im Hof des pt ein Protestcamp. Es gab eine Zoo „BRN-Ballermann Republik Neustadt“ in welchem „BRN-Tiere“ in freier Wildbahn des Festgeländes beobachtet werden konnten, Protestzelte zu den Themen Menschenrechte, Tierschutz, Bewegungsfreiheit, Revolutionskaraoke, eine Malecke zum Thema „Male dein eigenes Manifest – Marx mit, Marx nach, Marx besser“, ein Gruselkabinett zum Thema Patriotismus, Islamisierung, Abendland, kurz Pegida, und vieles mehr. Unsere Protestwand, auf der unsere Besucher ihren ganz persönlichen Protest festhalten konnten, ist aktuell im BRN-Museum auf der Prießnitzstraße ausgestellt.

„Dresden isst bunt – ein Gastmahl für alle“ – so lautete das Motto des Großevents am 10. Juni auf dem Altmarkt. Was für ein Fest!!! Es wurde eine Kundgebung für Weltoffenheit und Toleranz, an der sich alle Kultureinrichtungen der Stadt, Initiativen, Vereine, Museen, Chöre beteiligten. An unserem Tisch wurde getrommelt, getanzt, gegessen, geredet und vor allem VIEL VIEL GELACHT. Hautfarbe, Nationalität, Kleidung spielten keine Rolle mehr, wir feierten alle gemeinsam ein wunderschönes Fest mit spannenden Begegnungen, erhellenden Gesprächen, Spaß und vor allem einer großartigen Musikperformance vom Dresdner Trommelensemble um Thore Volquardsen und Barbara Reyher vom IPSE-Projekt.

Natürlich gab es nicht nur Neues, auch Altbewährtes wurde fortgesetzt. Nach wie vor sorgen die Mitglieder von FSK – dem Improtheater der bühne der TU jeden dritten Dienstag für schmerzende Lachmuskeln. Jeden 2. Dienstag im Monat sind die LITERATURverführer Dresdens, die Silbernen Reiter im projekttheater zu Gast. Udo Tiffert, Konstantin Turra und Moritz7 laden zu einem Abend voller Lesevergnügen ein.

Im Juli erreichten wir mit unserem Programm dann fast das Maximum der Besucherauslastung. Mit ca. 650 Besuchern bei 7 Vorstellungen lag die prozentuale Auslastung bei ca. 130%. Bei tropischen Außentemperaturen und vollem Haus trat schon fast Sauerstoffmangel in unserem Theatersaal ein, was das Thema Abluft und Kühlung belebte.
Zu sehen waren „Die Freude am Leben“, die Workshoppräsentation des Springkraut e.v. „Zirkus macht stark“, die Premiere von „Dracula-Tot aber durstig“ der Theatergruppe Pomba Mae des Columba Palumbus e.V. – ein inklusives Theaterprojekt der Sonderklasse – und noch einmal Flamenco zum Spielzeitabschluss.

Und letzteren feierten wir in diesem Jahr auf ganz besondere Art und Weise. Denn: wir haben es geschafft! Das projekttheater dresden wird barrierefrei! Dank der großen Unterstützung durch die Landeshauptstadt Dresden, genauer das Stadtplanungsamt, und ihr Förderprogramm Barrierefreies Bauen „Lieblingsplätze für Alle“ konnten wir über den Sommer Hindernisse abbauen, damit körperlich eingeschränkte Menschen nicht mehr draußen bleiben müssen.
Allerdings überschreiten die Baukosten die Fördersumme und so waren wir auf der Suche nach Unterstützern. Einer dieser Unterstützer ist der Columba Palumbus e.V.. Mit ihm gemeinsam haben wir in diesem Jahr statt einer Spielzeitabschlussfeier eine BENEFIZveranstaltung organisiert und luden am 12. Juli zu einem Nachmittagsspecial ein. Zu sehen gab es das Hip-Hop-Tanz-Märchen „Hinsel & Grete“, ein InklusionsKinderStück von Menschen mit und ohne Handicap und die unglaublich bewegende, großartige multiple Tanz-Performance „multifil identity“ unter der Leitung des tschechischen Regisseurs und Choreografen Bronislav Roznos. Alle Einnahmen des Tages kamen dem Umbau zu Gute.

Unsere Herbsteröffnung bestritt in diesem Jahr die Gruppe Tierbefreiung Dresden und lud zum veganen Kabarett.
Dann erfreute uns und das Publikum das Apron Theater Halle mit seinem wunderbaren, humorvollen und bösen Stück „Zehn kleine Mörderlein“. Dieses Gastspiel war eine wirkliche Bereicherung, noch dazu, wo wir dieses Stück im Herbst 2016 als Gemeinschaftsprojekt mit der bühne der TU und den Landesbühnen Sachsen neu inszenieren werden.

Der September brachte uns eine wunderbare Premiere. Das Ensemble La Vie erfreute uns mit René Rothes Inszenierung der „Römischen Octavia“, einer Abrechnung mit dem Theaterbetrieb, wunderbar gespielt von Mario Grünewald.

Im Oktober startete unser interkulturelles Gemeinschaftsprojekt „Sehnsucht Kuba“. Die Kooperation zwischen Landesbühnen Sachsen, Theater Meridian, Teatro del Viento Camagüey und projekttheater wurde initiiert von Arne Retzlaff. Im Rahmen dieses Projektes, welches auch in Havanna gastierte, fanden Lesungen, Workshops und eben benannte Theaterpremiere statt.

In diesem Monat dominierten politische Themen den Spielplan. Die Genre waren allerdings sehr verschieden. Es gab eine Ausstellung zum Thema Menschenrechtsverletzungen im Nordkaukasus mit einem Themenabend von Amnesty International und Peeple in Need, den Film „Golem – wie er auf die Welt kam“ von 1923, das Theaterstück „Der Schlachtertango“ über Homosexualität in der der NS – und Nachkriegszeit (auch dieses ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V., unterstützt von dem Gesellschaft für Christlich-Jüdische   Zusammenarbeit Dresden e.V., dem Gerede e. V., dem HATiKVA e. V., dem Christopher Street Day Dresden e. V. und dem Ökumenischen Informationszentrum e. V.) und die Premiere von „Jugend ohne Gott“ nach Horvath.

Anfang November ging die Premiere des Stücks „Geschlossene Gesellschaft“ von Satre über unsere Bühne. In Szenen gesetzt von bühnamit begeisterte es das Publikum und alle Vorstellungen waren sehr gut besucht.

Die geplante Premiere von „Du hast Zucker Junge“ musste auf Grund von organisatorischer Diskoordination der Company abgesagt werden – die Szene macht eben immer die gleichen Fehler. Dies quittiert nachfolgend das Publikum mit Abwesenheit.

Der Dezember wurde bunt, zuweilen schräg und war wieder durchgängig ein Publikumserfolg. Neben dem alljährlichen Weihnachtsspecial der bühne der TU – in diesem Jahr unter dem Titel „Morgenbrüder – wofür Jesus wirklich starb“ erlebten wir eine amüsante Premiere von „Alle Jahre wieder – oder nicht!“, einem Liederabend des Ensemble La Vie und als krönenden Abschluss des Jahres eine unserer Lieblingsproduktionen „Fast Food Classic“, ein Projekt von pt und Panischem NotTheater aus dem Jahre 2003, welches nach wie vor ein begeistertes Publikum findet – ein Dauerbrenner eben.

Natürlich gab es noch viel mehr außer Vorstellungen im projekttheater über das Jahr. Wir unterstützen zahlreiche Projekte, deren Ergebnisse nicht auf unserer Bühne gezeigt wurden, sei es durch das zur Verfügung stellen von Räumen, von Technik oder oder oder.  Es wurden zahlreiche Workshops durchgeführt, so z.B. die Spielleiterschulung des Landesjugendpfarramtes, Workshops zur Traumabewältigung mit dem IPSE Projekt, Percussionsworkshops, führten einen Ausscheid des Vorlesewettbewerbes des deutschen Buchhandels durch, es gab und gibt täglich Kurse und Unterricht in unseren Räumen.

Auch das jährlich stattfindende Präventionsprojekt „Hau ab, du Angst“ der SHUKURA - Fachstelle zur Prävention sexualisierter Gewalt an Mädchen und Jungen der AWO Kinder-und Jugendhilfe gemeinnützige GmbH war wieder ein voller Erfolg und wurde von 600   8-10jährigen Schülern und Erwachsenen besucht.

3. Barrierefreiheit
Das projekttheater dresden ist für Menschen mit Gehbehinderungen barrierefrei
"Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ - so steht es im Artikel 3 des Grundgesetzes.

Schon lange hegte das projekttheater den Wunsch, die theatereigenen Räume auch für Menschen mit Einschränkungen zugänglich zu machen.

Natürlich waren Menschen mit Geheinschränkungen seit jeher im projekttheater willkommen. Besonders für Rollstuhlfahrer_Innen war die Situation aber nicht sehr einladend. Sie kamen problemlos in die Durchfahrt, der Zugang zu Café oder Foyer war aber nicht möglich. Da die Durchfahrt sehr schmal ist, besteht hier keine Möglichkeit, mit einer Rampe den Zugang zu ermöglichen. Damit war es ihnen verwehrt, vor oder nach der Vorstellung mit anderen Menschen gemütlich zusammen sitzen zu können. Bisher haben wir dann Stühle in die zugige Durchfahrt gestellt, doch das ist kein angenehmer Ort für Kommunikation.
Besonders unhaltbar war für Menschen mit Rollstühlen die Toilettensituation.
Kleinere Rollstühle haben wir bisher über die Stufen gehoben und dann die Menschen auf die Toilette begleitet, da die Räume und Türen so eng waren, dass man mit einem Rollstuhl keine Chance hatte, eigenständig auf Toilette zu gehen. Mit einem Elektrorollstuhl war es gar nicht möglich. Diese Menschen mussten in ein anderes Etablissement fahren. Allerdings ist dies im Stadtviertel Äußere Neustadt sehr schwierig, da in diesen alten Häusern die Räume überall klein, verwinkelt und in der Regel nur über Stufen zu erreichen sind.

Doch diese Zeiten sind nun vorbei!

Dank der Unterstützung durch die Stadt Dresden und ihr Förderprogramm Barrierefreie Lieblingsplätze sowie dank zahlreicher privater Spenden und Unterstützer konnten sowohl ein Lift eingebaut als auch eine behindertengerechte Toilette installiert werden.

Und so sieht die Situation heute aus:
Menschen mit Geheinschränkungen betreten das projekttheater über die große Durchfahrtstür von der Straße aus. Hier steht dann ein Treppenlift bereit, mit dem sie eigenständig in unser Foyer kommen, in welchem sich jetzt auch die Toilette befindet. Dafür haben wir Wände versetzt und Türen verbreitert. Hier kann man sich nun gemütlich niederlassen und vor oder nach der Vorstellung noch zusammen sitzen. Leider ist ein Zugang zum Café nach wie vor nicht möglich, die nötigen Umbaumaßnahmen in diesem Teil des Theaters sind nicht durchführbar. Deshalb bieten wir einen Getränkeservice an: Es können beim Eintritt vor der Vorstellung Getränke beim Cafépersonal bestellt werden (die Mitarbeiter_Innen kommen dazu ins Foyer) und diese stehen dann rechtzeitig zu Pausenbeginn oder nach dem Vorstellungsende bereit.

Der Zugang zum Theatersaal erfolgt seit Januar 2015 über eine mobile Rampe im Hof, welche uns vom Verband der Körperbehinderten geliehen wurde. Im Theatersaal befinden sich in der ersten Reihe max. 9 Rollstuhlplätze.

Endlich können Menschen mit Geheinschränkungen ihr Theatererlebnis mit allen Besuchern und Gästen teilen.
Noch sind wir zwar weit davon entfernt, unser Theater für Gehörlose und Blinde barrierefrei zu gestalten, doch wir sind einen großen Schritt weiter, für alle eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu schaffen.

4. Resümee
Das Jahr 2015 stand einerseits im Zeichen der Profilschärfung und andererseits im Zeichen des Umbaus zum barrierefreien Theater.

Trotz der schon „zyklischen“ Herbstflaute lagen wir im Kartenerlös ca. 10% über dem Plan.

Unser Satzung folgend unterstützen wir auch Projekte, die engagiert und mutig sind. Dies führt natürlich nicht zu wirtschaftlichem Gewinn, soll es aber auch nicht, sondern zu sozialem, kulturellem und zwischenmenschlichem soll es führen. So werden die Erträge aus den temporär erfolgreichen Bereichen zur Unterstützung der andern eingesetzt.

Alles in Allem war somit 2015 ein gefülltes, erfülltes und weitgehend ausgeglichenes Jahr.

Erstes wurde begonnen und bedarf nun weiterer konsequenter Fortführung. Kontakte sind geknüpft, der Boden ist bereitet, dass sich das projekttheater als ein kulturell und politisch klar orientierter Ort profilieren kann. Das wird 2016 fort- und ausgeführt werden.

Der erste Schritt zu vollständigen Barrierefreiheit wurde getan. Wir sind stolz und glücklich, dass wir Menschen mit Geheinschränkungen nun Zugang zum projekttheater gewähren können. Als zweiten Schritt werden wir 2016 den Umbau des Theatersaales in Angriff nehmen. Die Vorderbühne soll abgesenkt, der Zuschauerbereich umstrukturiert werden, damit die Treppen vom Hof in den Theatersaal und innerhalb des Raumes entfallen. Noch einmal ein großes Projekt. Wir hoffen wieder auf die Unterstützung der Landeshauptstadt Dresden und der Aktion Mensch und natürlich der zahlreichen privaten Spender.

Die Arbeit mit sozial und/oder wirtschaftlich schwachen Menschen, Praktikanten und Schülern sowie straffällig gewordenen Jugendlichen und mit Kindern aus sozial schwachen Gebieten wurde in alt bewährter Weise fortgeführt.

Die Nutzung unserer Proberäume für regelmäßig stattfindende Kurse einerseits und die Erarbeitung von Projekten andererseits konnte auslastungsseitig analog zu 2014 fortgeführt werden.


Für weitere Erörterungen stehe ich jederzeit zur Verfügung.


Dresden, 10. 2. 2016
D. G. J. Skowronek

Auswertung des Jahres 2016

Sachbericht 2016
zur Haushaltsabrechnung Spielstätte projekttheater dresden

1.    Allgemeines zur Spielzeit
2.    Jahresabriss
3.    Barrierefreiheit
4.    Resümee
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1. Allgemeines
Das Jahr 2016 war ein überaus erfolgreiches Jahr, besonders in Hinblick auf den Umbau in ein für gehbehinderte barrierefreies Theater, aber auch mit Blick auf den Besuch der Vorstellungen und die damit verbundene Auslastung.

Die freie Trägerschaft des projekttheater dresden e.V. hat sich als äußerst gut erwiesen. Da sich der Freistaat Sachsen mit 35 – 45% Zuschuß zum Haushalt beteiligt, hat das projekttheater eine stabile Ausgangslage für die Betreibung der Spielstätte. So können wir seit 1990 verpflichtendes, geradliniges und stetes Theater machen und anbieten.

Dieses mündete 2016 in insgesamt 212 Vorstellungen. Trotz der großen Baumaßnahmen vom 19.7.2016 bis zum 13.10.2016 wurden diese Vorstellungen für insgesamt ca. 13.000 Menschen realisiert, was einer Platzauslastung von 76% entspricht.

Es gab 24 Theaterprojekte, 5 Amateurtheaterprojekte, 7 politsche Veranstaltungen, 6 Tanzprojekte außerhalb der Tanzwoche Dresden, 7 Kindertheaterprojekte, 9 Musikprojekte, 3 verschiedene Literaturprojekte, 10 Workshoppräsentationen, 3 inklusive Projekte, 10 Schülerprojekte und begleitend 6 Ausstellungsprojekte. Hinzu kamen die Teilnahme des projekttheater dresden an der Langen Nacht der Dresdner Theater (1000 Besucher), der BRN (200 Besucher)und am Schaubudensommer Dresden (2100 Besucher). Insgesamt feierten wir 19 Premieren und Uraufführungen.
Im Rahmen des Kooperationsprojektes „Zu Gast bei Freunden“ erlebten wir spannende Projekte der bühne der TU und der Landesbühnen Sachsen in unserem Hause.

2. Jahresabriss

Das Jahr 2016 begann – wie immer – mit den Aufführungen der Freien Montessorischule. Doch in diesem Jahr war alles anders. Es wurden 2 Gruppen zusammengelegt, was bedeutete, dass 50 Schüler und Schülerinnen im projekttheater für 2 Wochen Workshop unterwegs waren. Erarbeitet wurde eine Wanderperformance durch das Haus zum Thema „Flucht und Vertreibung“. Es waren großartige Aufführungen! Die Schüler und Schülerinnen benutzten alle Räume incl. der Gästewohnungen um ihre Sicht auf die Flüchtlingsproblematik deutlich zu machen. Die Besucher waren schockiert und zu Recht stolz auf die Jugendlichen.
Dieses Projekt hat, wie die Kooperation mit dem Gymnasium DKS, schon Tradition.

Hier sieht man deutlich, das Theater durchaus auch einen Bildungsanspruch hat – und diesen jenseits jeglichen Medienkonsums.

Gleich hinterher war dann die nächste Generation am Start. Die Frei Spieler zeigten „Die dritte Generation - Kinder von Marx und Coca Cola“, ein Stück inspiriert von Rainer Werner Fassbinders "Die dritte Generation" und Jean-Luc Godards "Masculin-Feminin oder: Die Kinder von Marx und Coca Cola". Das war ebenfalls ein voller Erfolg.

Mit der Semperschule Mobilis kam dann zum ersten Mal in der Geschichte des pt Ballett auf unsere Bühne. „Auf der Suche nach dem Glück“ präsentierte die kleinsten, kleinen und großen Ballettänzer der Schule im 1. Teil des Märchens.

Im Rahmen des Forum 13. Februar führten wir Anfang Februar wieder eine Aktionswoche zum Thema Flucht & Asyl durch, in diesem Jahr mit dem Schwerpunkt Krieg. Zu Gast waren Riad Ben Ammar, Julianna Herzberg vom Ensemble La Vie Stuttgart mit ihrem wunderbaren Stück „Reise nach Jerusalem“ und Stani Greifenberg mit dem Kabarett „Wir hatten ja nix“.

Der Februar hielt aber noch ein Highlight in unserem Spielplan bereit. Am 21. Februar veranstalteten die Saxons ein Dance off in unserem Haus, welches zu diesem Anlass fast aus allen Nähten platzte.

Ende Februar bis Mitte April fand in unseren Räumen eine Ausstellung zu Rüstungsexporten und Menschenrechtsverletzungen statt. Diese wurde von Schulen besucht und sehr gut angenommen.

Der März verging mit Bandkonzerten, Theaterspielen und Tanz und am Ende mit den Frühlingskulturtagen des Gymnasiums Dreikönigschule.

Im April starteten wir mit der Premiere von „Welche Droge passt zu mir?“, welches sich im Laufe der Zeit zu einem Erfolgsstück entwickelte, so dass für 2017 zahlreiche Schulvorstellungen geplant sind.

Direkt vor der Tanzwoche brachte dann der SUKUMA Arts e.V. noch einen besonderen Tag zu uns: Die Stories of Change. Zu diesem Zwecke wurde das Theater umgebaut, es gab Aktionen im ganzen Haus und im Hof ein großes Buffett aus Containerlebensmitteln.

Dann war es wieder soweit: die Tanzwoche stand vor der Tür und feierte in diesem Jahr den 25. Geburtstag. Aus diesem Grund gab es natürlich besondere Stücke für das Publikum, welches zahlreich erschien und das Programm lobte.

Mitten in der Tanzwoche, am 23. April, war dann auch noch die Lange Nacht der Dresdner Theater, welche in diesem Jahr mit 2 Programmpunkten durch das projekttheater und 4 Programmpunkten durch die Tanzwoche bestritten wurde, natürlich begleitet von Outdoorperformances. Und wir konnten uns vor Zuschauern nicht retten. Das Krepsko Theater aus Prag spielte seine Performance kürzer und 2 mal, damit alle Leute Platz hatten. Ca. 1000 Besucher erlebten mit uns eine spannende, unterhaltsame, fröhliche Lange Nacht der Theater.

Der Mai startete gleich mit einer Premiere. Das Mertyrer Kollektiv präsentierte „[Haut] a monk barbecue show“ und traf damit den Zeitgeist und den Geschmack vieler, ebenso wie das Slavistik-Institut und sein Stück „Ich und der MG Schütze“ oder Utz Pannike und „Stille, die uns täuscht“.

Den Juni eröffneten wir mit Ciboulette und ihrer Festwoche zum Bühnenjubiläum. Es gab zahlreiche Clownsstücke für die Kleinen und für die Großen, es war ein wunderbares Festwochenende.

Dann folgten wieder die Sommerkulturtage der Dreikönigschule und dort mittendrin die BRN. Die BRN ist immer ein Höhenpunkt der intensiven Zusammenarbeit mit der bühne der TU. In diesem Jahr fanden unter dem Motto „Innere Sicherheit“ zahlreiche spannende Begegnungen statt.

Natürlich gab es nicht nur Neues, auch Altbewährtes wurde fortgesetzt. Nach wie vor sorgen die Mitglieder von FSK – dem Improtheater der bühne der TU jeden dritten Dienstag für schmerzende Lachmuskeln.

Im Juli nahmen wir zum ersten Mal am Schaubudensommer Dresden teil. Bei teilweise tropischen Außentemperaturen zeigten erst die JuWie Dance Company Improvisationen zum Stück „Eldorado“, gefolgt von The Guts Company und einem Auszug aus „Das Eigene/Heimat“ mit dem Dresdner Gnadenchor. Den Abschluss bildeten 2 Tänzer aus Spanien, die mit Postscriptum jeden Besucherrekord sprengten. Durchschnittlich waren bei ihnen 130 Menschen im Theatersaal. Da trat schon Sauerstoffmangel ein.

Unmittelbar nach dem Schaubudensommer begann unsere große Baumaßnahme. Das projekttheater dresden wird barrierefrei!
Dank der großen Unterstützung durch die Landeshauptstadt Dresden, genauer das Stadtplanungsamt, und ihr Förderprogramm Barrierefreies Bauen „Lieblingsplätze für Alle“ und der Aktion Mensch mit ihrem Investitionsprogramm konnten wir beginnen, den Theatersaal auszuschachten.
Das war eine Arbeit!
Der Fußboden des Theatersaals bestand aus Kies, Dielen, Beton – und besonders letzterer stellte die Arbeiter vor große Aufgaben, ließ er sich doch nur sehr schwer entfernen. Ein weiteres Überraschungsmoment brachte uns die Entdeckung eines zugeschütteten Kellers, welcher allerdings – leider – nicht das Bernsteinzimmer enthielt, sondern verrostete Leitern und vor allem viel Schutt.
Danach wurden Lüftungsrohre verlegt. Wir haben zwar noch kein Aggregat, aber wenn man schon mal dabei ist, den Fußboden zu öffnen, sollte man zukunftsträchtig planen.
Dann war der große Tag da – Beton wurde gegossen.
Jetzt hat unser Saal von vorn bis hinten eine einheitliche, glatte Oberfläche und man kann vom Hof ohne Rampe oder sonstige Hilfsmittel in das Theater fahren oder gehen.
Danach kam ein weiteres Highlight – die neue Zuschauertribüne. Planungsseitig vom Architekturbüro Christoph Hahn unterstützt, verlegten wir die Technikbühne auf die andere Seite und gestalteten den Theatersaal neu – ohne allerdings Plätze zu verlieren.
Es war ein 3monatiges Bauprojekt, welches sich aber jetzt schon auszahlt. Nach und nach finden immer öfter gehbehinderte Menschen den Weg in unser kleines Theater.

Den Herbst eröffneten wir mit der Premiere von „Big Deal“ des Jungen Studios der Landesbühnen Sachsen – noch im Spiegelsaal, da der Theatersaal noch nicht fertig war.

Richtig los ging es dann am 14. Oktober mit Stille, die uns täuscht, gleich gefolgt vom jährlich stattfindenden Präventionsprojekt „Hau ab, du Angst“ der SHUKURA - Fachstelle zur Prävention sexualisierter Gewalt an Mädchen und Jungen der AWO Kinder-und Jugendhilfe gemeinnützige GmbH. Letztes war mit 600 kleinen und großen Besuchern wieder ein voller Erfolg.

Im November kamen dann mit (e)motions von Bronislav Rosznos, „Die Grille und die Ameise“ des Farbwerk e.V. vor allem inklusive Theaterstücke auf unsere Bühne. Neben Salome der Landesbühnen Sachsen, einer Podiumsdiskussion mit der Opferberatung Dresden und Konzerten ist diese Schiene für uns neu und spannend. Arbeiten müssen wir noch an den Zuschauerzahlen. Momentan kommen nur die eingeladenen Freunde und Verwandte, jedoch sollen es ja Programme sein, welche auf Grund der Inklusion jeden ansprechen sollen. Aber daran arbeiten wir noch.

Der Dezember wurde bunt, zuweilen schräg und war wieder durchgängig ein Publikumserfolg. Neben dem alljährlichen Weihnachtsspecial der bühne der TU – in diesem Jahr unter dem Titel „Der exzentrische Weihnachtsmann“ - erlebten wir Martin Kiefer von der Zirkusmanufaktur Leipzig mit seinem wunderbaren „Ein Tag wie dieser“, den Columba Palumbus e.V. mit der HipHop Gruppe Paloma del Sol und Jugendlichen des Pop II Go Bündnis Freital, welche COME ON STAGE zeigten. Daneben gab es die Aufführungen des Espiral, dem Ballettstudio der Görlitzer Straße, welche mit 130 Kindern auf der Bühne unseren Theatersaal füllten. Also vorweihnachtliches Programm zeigten wir Lametta Laszive, eine szenische Lesung des Ensemble La Vie München von einer Nutte, die nur Weihnachten anschaffen geht und Chimaera aus Dresden, die mit ihren Instrumenten filmmusikreife Klangsphären schafften.

Natürlich gab es noch viel mehr außer Vorstellungen im projekttheater über das Jahr. Wir unterstützen zahlreiche Projekte, deren Ergebnisse nicht auf unserer Bühne gezeigt wurden, sei es durch das zur Verfügung stellen von Räumen, von Technik oder oder oder.  Es wurden zahlreiche Workshops durchgeführt und es gab und gibt täglich Kurse und Unterricht in unseren Räumen.

3. Barrierefreiheit

Das projekttheater dresden ist für Menschen mit Gehbehinderungen barrierefrei
"Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ - so steht es im Artikel 3 des Grundgesetzes.

Wir haben es geschafft! Seit Oktober 2016 ist das projekttheater dresden barrierefrei. Denn nun kann man nicht nur sich im Foyer aufhalten, dort gemütlich sitzen und schwatzen und ein Getränk genießen, man kann auch ohne weitere Barriere in den Theatersaal fahren oder gehen. Ein großer Fortschritt.

Dank der Unterstützung durch die Stadt Dresden und ihr Förderprogramm Barrierefreie Lieblingsplätze und der Aktion Mensch mit ihrem Investitionsprogramm sowie dank zahlreicher privater Spenden und Unterstützer konnten wir in diesem Jahr unseren Theatersaal tiefer legen. Damit fiel die Stufe vom Hof in den Saal weg und Menschen mit Gehbehinderung können nun wirklich barrierefrei uns besuchen.

Unser Vorhaben richtete sich in erster Linie an alle Menschen mit Geheinschränkungen, von Rollstuhlfahrern bis Senioren. Jedoch sind auch Menschen mit Seheinschränkungen angesprochen. Im dunklen Theatersaal mit seinen vielen Treppen, fällt ihnen die Orientierung sehr schwer, da es auch hier eng, verwinkelt und treppenreich ist. Durch die Maßnahmen hat sich die Anzahl der möglichen Rollstuhlplätze von 8 auf 16 verdoppelt.
Doch diese Zahl ist es nicht allein.
Ein barrierefreier Theatersaal macht nun auch Projekte/Workshops mit behinderten Menschen möglich. Diese Option war und ist uns besonders wichtig.
Denn wir sehen es als eine unserer Aufgaben an, Menschen mit und ohne Behinderung in das kulturelle Leben mit einzubinden und gesellschaftliche Inklusion voranzutreiben. Unsere Arbeit steht darum auch im Zeichen der Interkulturalität  und Gendergerechtigkeit-  denn es sind gerade Attribute wie Vielfalt und Diversität, die unsere Gesellschaft bereichern und die es zu fördern gilt.

Unser Ziel ist die aktive, gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung am gesellschaftlichen und kulturellen Leben!
Darum versuchen wir, auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen eine Plattform zu sein, um ihnen die nötigen Techniken, Methoden und Fertigkeiten für eine aktive Partizipation am künstlerischen Schaffen zu vermitteln.

Ein weiteres Ziel ist die Sensibilisierung für gesellschaftspolitisch relevante Themen durch Kunst und Kultur. Unsere Künstler*innen, egal ob mit oder ohne Einschränkungen begeistern das Publikum immer wieder mit ihren Leistungen. Darum ist es uns ein besonderes Anliegen, den Künstler*innen mit Einschränkungen ebenfalls die Erfahrung zu ermöglichen, ihr Können auf einer Bühne präsentieren zu können. Durch diese öffentliche Sichtbarmachung nutzen wir Theater als Medium zur Sensibilisierung für eine inklusive Gesellschaft, aber auch für zahlreiche andere aktuelle sozialkritische Themen.

Und Theater – erlebt als Zuschauer*in oder Macher*in trägt nachhaltig und umfassend zur Verbesserung der Lebensqualität und Lebenssituation bei. Wir wünschen uns eine Gesellschaft, in der Vielfalt auf Offenheit und Akzeptanz trifft.
Noch sind wir zwar weit davon entfernt, unser Theater für Gehörlose und Blinde barrierefrei zu gestalten, doch wir sind einen großen Schritt weiter, für alle eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu schaffen.

Das Aggregat für die Lüftungsanlage ist für 2017 geplant, ebenso die Gestaltung des Hofes, welche aus jahreszeitlichen Gründen 2016 nicht bis zu Ende gebracht werden konnte.

4. Resümee
Das Jahr 2016 war für uns ein spannendes Jahr, gefüllt mit einer Menge von Veranstaltungen, mit unserer großen Baumaßnahme und mit der Unterstützung zahlreicher Projekte, die engagiert für Soziales, Kultur und Zwischenmenschlichkeit eintreten.

Insofern bleibt der Veranstaltungserlös leicht hinter dem von 2015 zurück, was nicht zuletzt damit zu tun hat, dass z.B. der Schaubudensommer mit seinen 2500 Besuchern und den entsprechenden Erlösen nicht über unsere Kasse ging.

Wir haben 2016 den Plan zum Umbau in ein barrierefreies Theater umgesetzt. Dieses Projekt wird 2017 mit dem Einbau einer Lüftungsanlage und der Gestaltung des Hofes abgeschlossen.

Die Arbeit mit sozial und/oder wirtschaftlich schwachen Menschen, Praktikanten und Schülern sowie straffällig gewordenen Jugendlichen und mit Kindern aus sozial schwachen Gebieten wurde in alt bewährter Weise fortgeführt.

Die Nutzung unserer Proberäume für regelmäßig stattfindende Kurse einerseits und die Erarbeitung von Projekten andererseits konnte auslastungsseitig analog zu 2015 fortgeführt werden.

Für weitere Erörterungen stehe ich jederzeit zur Verfügung.


Dresden, 27. 1. 2017
D. G. J. Skowronek

Auswertung des Jahres 2017

Sachbericht 2017
zur Haushaltsabrechnung Spielstätte projekttheater dresden

1. Allgemeines zur Spielzeit
2. Jahresabriss
3. Resümee
______________________________________

1. Allgemeines

Das Jahr 2017 war wieder ein sehr gelungenes Jahr, in welchem wir viele Projekte realisierten, Baumaßnahmen durchführten und weiter an dem Ziel, verpflichtendes, aufrichtiges und verlässliches Theater zu machen, arbeiteten.

Dieses mündete 2017 in insgesamt 236 Vorstellungen. Diese wurden trotz der Baumaßnahme, dem Installieren einer Lüftung für das projekttheater, von insgesamt 14.000 Menschen besucht, was einer Platzauslastung von ca. 70% entspricht.
Es gab 20 Theaterprojekte, 5 Amateurtheaterprojekte, 5 politsche Veranstaltungen, 9 Tanzprojekte außerhalb der Tanzwoche Dresden, 5 Kindertheaterprojekte, 15 Musikprojekte, 5 verschiedene Literaturprojekte, 4 Workshoppräsentationen, 6 inklusive Projekte, 12 Schülerprojekte und begleitend 6 Ausstellungsprojekte. Hinzu kam die Teilnahme des projekttheater dresden an der Langen Nacht der Dresdner Theater (750 Besucher) und der BRN (150 Besucher) sowie an der Tanzwoche Dresden (650 Besucher). Insgesamt feierten wir 29 Premieren und Uraufführungen.

2. Jahresabriss

Das Jahr 2017 begann mit der wunderbaren Aufführung „Die Grille und die Ameise“ des farbwerk e.V., einem inklusiven Theaterprojekt, welches in Graupa Premiere hatte. 16 Beschäftigte einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung haben sich auf die Suche nach dem Wert ihrer Arbeit gemacht und die Frage gestellt, welche Arbeit eigentlich die Wichtigste ist.

Es folgte – wie immer – die Aufführungen der Freien Montessorischule. Mit „Alice im Wunderland“, „Vom Sinn des Lebens“ und „Wir im Heute“ schafften es die SchülerInnen unter Anleitung von Theaterschaffenden Stücke zu kreieren, die sich mit dem Jung sein im Hier und Jetzt auseinandersetzen und dieses mit Werf und Witz.
Dieses Projekt hat, wie die Kooperation mit dem Gymnasium DKS, schon Tradition. Hier sieht man deutlich, das Theater durchaus auch einen Bildungsanspruch hat – und diesen jenseits jeglichen Medienkonsums.

Gleich hinterher war – auch wie jedes Jahr - die nächste Generation am Start. Die Frei Spieler zeigten mit „Flucht zu Pferd bis ans Ende der Stadt“ ein Stück über Großstadtdschungel, Drogen, Liebe und Lebensrausch nach dem Erfolgsautor Bernard Marie Koltes. Wenn auch das Stück einige Mängel hatte, war es doch ein voller Erfolg.

Am 20. Januar eröffneten wir die Ausstellung „Meine Liebe Alkohol“ von Eric Jacob. In den Gemälden und Installationen sollten Betrachter der Ausstellung an eigene Erfahrungen erinnert werden, neue Kenntnisse vermittelt bekommen, aber vor allem ihren eigenen Alkoholkonsum kritisch reflektieren. Die Ausstellung wurde sehr gut angenommen, vor allem Schulklassen, aber auch Betroffene schauten sich die Ausstellung an und kamen auch jenseits von Vorstellungen bei uns vorbei.

Im Anschluss gab es dann die jährlich am 20.1., dem Tag der Uraufführung, zu erlebende Vorstellung „Take it or leave it“ mit Wolf-Dieter Gööck und Peter Koch.

Unter Verwendung originaler Texte Münzers und in der Tradition der Spielleute präsentierte Utz Pannike „Die Toten kommen wieder“, einem Stück über den Revoluzzer Thomas Münzer, welcher während der Bauernkriege die herrschende Ordnung in Frage stellte.

Und so ging es im Februar gleich weiter mit „Stille, die uns täuscht“ und Utz Pannike, diesmal verstärkt durch Jörg Schittkowski, welcher vom Fall eines Jungen erzählt, dessen Sensibilität und Empathie durch das mörderische Gift der Nazi-Ideologie zerstört wird. Und wie es einem Nazi-Verbrecher gelingt, seinen jugendlichen Jäger in einen Anhänger und Jünger des faschistischen Denkens zu verwandeln.

Danach zeigten wir noch einmal „Welche Droge passt zu mir?“ für SchülerInnen, einem Projekt, welches nach wie vor von Schulen in ganz Sachsen gesehen wird.

Dann hatten wir erst einmal Urlaub.

Nach einer entspannenden Woche begannen wir mit „Ferdinand der Stier“, einem Kindertheaterstück mit Jule Richter für Horte und zeigten danach „Der Kaktus“ von bühnamit. Die Aufführungen waren ein ausnahmsloser Erfolg, wahrscheinlich, weil ein labiler Deutsch-Türke ohne Migrationshintergrund und der Sohn von Meister Yoda an diesen Tagen die Welt retteten.

Danach wäre noch Sascha Langes Vortrag über „Meuten, Swings und Edelweisspiraten. Jugendkultur und Opposition im Nationalsozialismus“ erwähnenswert, welcher ebenfalls ausverkauft war.

Der März verging mit Bandkonzerten, Theaterspielen (wir zeigten u.a. „Benefiz – jeder rettet einen Afrikaner“ von Spielbrett e.V.) und einem wunderbaren inklusiven Workshopprojekt.
Am Ende des März und Anfang April kamen dann mit den Frühlingskulturtagen des Gymnasiums Dreikönigschule wieder viele Schüler ins pt.

Am 1. April erlebten dann ca. 750 Menschen die Lange Nacht der Dresdner Theater im projekttheater. Wir zeigten ein buntes Programm mit „Sindbad“ für die Allerkleinsten, „Inspire the fire“ für Jugendliche, „Metamorphosen“ des Sorbischen Nationaltheaters, „Ein Raum voller Welt“ der Manufaktur Klatsch&Muff, einer „Noche de Flamenco“ und zum Abschluss „Debile Seitenlage“, Musik von und mit Wolf-Dieter Gööck.

Am 7. April 2017 gab es dann wieder eine Premiere: „Li und die roten Bergsteiger“ war der Titel des neusten Stückes von Utz Pannike, in dem er nach einem Jugendbuch von Max Zimmering die Liebe zwischen einem bürgerlichen Mädchen und einem Proletarier, dem roten Bergsteiger, in Zeiten des Nationalsozialismus thematisiert. Diese Vorstellungen waren und sind bis heute immer gut gefüllt bis ausverkauft.

Dann war es wieder soweit: die Tanzwoche stand vor der Tür und feierte in diesem Jahr den 26. Jahrgang. Die 26. Tanzwoche 2017 war durchwachsen. Der Neuanfang mit einer neuen künstlerischen Leitung und einer etwas anderen Organisationsstruktur war nicht erfolgreich. Die Gründe hierbei liegen einmal in der Ablehnung der Förderung der Tanzwoche von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen einerseits, die Durchführung einer Tanzwoche (Festival: Dance transit. Praha.Dresden.Leipzig) im Festspielhaus Hellerau und der mangelhaften Führung durch die künstlerische Leitung andererseits. So erlebte das Publikum eine sehr gemischte Tanzwoche, von ausverkauften oder fast ausverkauften Vorstellungen bis hin zu gar nicht besuchten Aufführungen.

Im Mai gab es dann neben dem inklusiven Projekt „Domino“ die Premiere von „Ein Raum voller Welt“ zu erleben, einem fabelhaften Theaterstück ohne Worte, ganz in der Tradition der Comedia del Arte. Dieses Stück wird bis zur Derniere am 8. Februar 2018 gezeigt werden.

Nach „Gretchen ff“ der Spielbühne Freital, „Seifenblasen und Apokalypse“ der bühne der TU, Zirkus und Schülervorstellungen folgten dann im Juni die Sommerkulturtage des Gymnasiums Dreikönigschule.

Natürlich gab es nicht nur Neues, auch Altbewährtes wurde fortgesetzt. Nach wie vor sorgen die Mitglieder von FSK – dem Improtheater der bühne der TU jeden dritten Dienstag für schmerzende Lachmuskeln.

Dann folgte unsere Sommerpause. In dieser Zeit – so war es geplant – sollte im projekttheater die Lüftungsanlage eingebaut werden. Die Vorarbeiten waren gemacht, der Keller bereit – doch die Anlage ließ auf sich warten. Bis zum 1. September war Zeit, dann begannen die Vorbereitungen für die nächste Spielzeit. Eingebaut wurde sie letztendlich erst im November/Dezember – doch egal wie, jetzt hat das pt eine Lüftung, so daß die Vorstellungen auch ohne akuten Sauerstoffmangel besucht werden können.

Die Spielzeit 2017/18 begann dann am 4. September mit „Welche Droge passt zu mir?“ und Schul- sowie Abendvorstellungen.

Dann folgte die Dresden-Premiere von Phase zero productions & Company ProArt mit ihrer Deutsch-Tschechischen Koproduktion „ONENESS“ über Geschichte im Hier und Jetzt.

Und schon stand die erste Premiere der neuen Spielzeit auf dem Programm.
In „I play D(e)ad“ setzte sich der Tänzer Wagner Moreira mit dem Selbstmord des Vaters auseinander, feierte seinen 40. Geburtstag und 25 Jahre Tanzkarriere. Diese Zahlen lieferten ihm durch die momentane Koinzidenz den Anlass, um sich genau jetzt in einem Solo dem mitunter selbstauferlegten Tabu des Freitods zu stellen. Es wurde ein großartiges Stück, welches nicht nur ausverkauft war, sondern auch begeistert aufgenommen wurde. Am 30.9.17 führten wir gemeinsam noch dazu eine Gesprächsrunde zum Thema durch, die von Ärzten und Paläontologen begleitet wurde.

Im Rahmen der Interkulturellen Tage gab es im September auch noch ein WORLD POETRY der Initiative Deutschkurse von und für Migranten und anfang Oktober eine Veranstaltung des Internationalistischen Zentrums unter dem Titel „Das Begehren, anders zu sein“.

Am 4. Und 5. Oktober 2017 kam dann ein Highlight ins pt. Mit „Vakuum“ zeigte die Cie.Phillipe Saire aus der Schweiz ein Tanzstück voller Magie, nur beleuchtet von 2 Neonröhren schienen sich die Körper der 2 Tänzer ohne Halt im Raum zu bewegen.

Vom 16. Bis 18. Oktober folgte das jährlich stattfindenden Präventionsprojekt „Hau ab, du Angst“ der SHUKURA - Fachstelle zur Prävention sexualisierter Gewalt an Mädchen und Jungen der AWO Kinder-und Jugendhilfe gemeinnützige GmbH. Letztes war mit 600 kleinen und großen Besuchern wieder ein voller Erfolg.

Flankiert wurden diese Vorstellungen von der Dresden-Premiere „Sie nannten mich ES“, einem Stück über häusliche Gewalt an Kindern, „Ein Raum voller Welt“ und „Li und die roten Bergsteiger“ von Utz Pannike.

Im Oktober starteten wir auch 2 neue Reihen, die in unregelmäßigen Abständen ins pt kommen. „Improvisationen mit dem Las Tapas Dance Lab“ orientiert sich am Improtheater, allerdings im Tanz. Durchgeführt von Palucca-Schülern und Schülerinnen war es von Anfang an ein Publikumserfolg.

Die zweite Reihe war eine Live-Comic-Lesung, die im Oktober mit einem Angriff der Marsianer im projekttheater dresden begann.

Ende Oktober brachen wir gemeinsam mit dem Columba Palumbus e.V. „Rumpelkammer“ auf die Bühne. Gezeigt wurden 6 kleine Stücke, die 6 Filme als Grundlage hatten, in Szene gesetzt von Menschen mit und ohne geistige-n Einschränkungen. Dieses Stück zeigten wir insgesamt 9 Mal und es war jedes Mal ausverkauft. Ein voller Erfolg! Dieses Mal fuhren wir in der Ankündigung dieses Stückes eine andere Strategie. Die Vorstellungen wurden nicht als inklusiv beworben, damit kamen auch Menschen zu uns, die nicht in inklusive Aufführungen gehen wollten, aber total begeistert aus dem Theatersaal kamen. Diese Strategie werden wir also weiter behalten.

Seit Oktober 2017 führen wir jeden 1. Sonntag im Monat um 11 Uhr wieder Kindertheater durch. Zu uns kommt Jule Richter vom erzählraum e.V. und erzählt jedes Mal andere, bunte, phantasieanregende Märchen und Geschichten für Kinder ab 5 Jahren. Das wird sehr gut angenommen und ist seit Dezember 2017 immer ausverkauft.

Im November gab es neben „Meine Herrn“ und Annette Jahns „Zwischenzeit“, zwei musikalischen Programmen einen weiteren Höhepunkt: „Die Vermessung der Welt“ des Theaters Fingerhut aus Leipzig. Eine Komödie der Genialität, ein Panoptikum seltsamer Käuze, ein raffiniertes Spiel mit Fakten und Fiktionen- all das war und ist „Die Vermessung der Welt“, dargebracht in einer Mischung von Schauspiel und Figurentheater. Ein Kaleidoskop kurzer, pointierter Szenen spielte mit den Themen und Motivreihen, die Daniel Kehlmann über das Leben der Wissenschaftler C.F.Gauß und Alexander von Humboldt in seinem Roman erfunden hat. Es war großartig und auch ausverkauft.

Mit „Wega“ und „Titus“ der Gruppe „das zelt“ aus Berlin zeigten wir zwei Live-Hörspiele, in „Wega“ eine surreale Utopie über einen Idealzustand von Menschheit, Staat und Gesellschaft und mit „Titus“ ein gesellschaftliches Endspiel, frei nach Shakespeares blutiger Macht- und Rachetragödie Titus Andronicus. Es waren außergewöhnliche Stücke, die leider sehr schlecht besucht waren.

Der Dezember hielt wieder das alljährliche Weihnachtsspecial der bühne der TU bereit – in diesem Jahr unter dem Titel „Drei Aschenbrödel für eine Haselnuss - nichts für Kinder!“. Es wurde alles andere als besinnlich, auch wenn die großen Fragen nach Liebe und Glück auf der Bühne gelöst wurden. Es war ein herrlicher Gaudi.

Das Lehniner Institut für Kunst und Kultur e.V. aus Brandenburg zeigte mit SCHNEEFLÖCKCHEN, der Geschichte eines Kindes aus Schnee und Eis, die Bearbeitung des russischen Volksmärchens Snegurotschka. Es ist eine wunderbare Geschichte für Kinder, die nicht nur zur Weihnachtszeit aktuell ist, geht doch das Märchen nur bedingt gut aus, da das Kind im Frühling schmilzt, jedoch als Regen zurück kommt. Dargebracht wurde es ohne Worte, dafür mit Geräuschen und Musik. Es war wunderbar.

Als weihnachtliches Special gab es in diesem Jahr wieder „Julvisor“, denn es ist sage und schreibe 10 Jahre her, dass wir dieses Stück gemeinsam mit der Band kreierten. So feierten wir diese 10 Jahre mit 3 ausverkauften Vorstellungen und es stellte sich langsam Besinnlichkeit im pt ein.

Als nachweihnachtliches und vorsilvesterliches Programm zeigten wir Lametta Laszive, eine szenische Lesung des Ensemble La Vie München von einer Nutte, die nur Weihnachten anschaffen geht. Auch diese 3 Vorstellungen waren immer ausverkauft.

Natürlich gab es noch viel mehr außer Vorstellungen im projekttheater über das Jahr. Wir unterstützen zahlreiche Projekte, deren Ergebnisse nicht auf unserer Bühne gezeigt wurden, sei es durch das zur Verfügung stellen von Räumen, von Technik oder oder oder.  Es wurden zahlreiche Workshops durchgeführt und es gab und gibt täglich Kurse und Unterricht in unseren Räumen.

3. Resümee

Das Jahr 2017 war für uns ein projektreiches und bühnengerechtes Jahr, vor allem mit Projekten, die engagiert für Soziales, Kultur und Zwischenmenschlichkeit eintreten.

Besonders stolz waren wir auf eine Spende des ZDF, die uns im Sommer erreichte. Die beiden Mädchen Matilda und Jara aus der Dresdner Neustadt nahmen am 22. Juli 2017 an der 1000sten Sendung von „1-2 oder 3“ als Filmteam mit Stephanie Stumpf teil und verkündeten nach ihrem zweiten Platz ganz prägnant : Die Kulturoase biete Theater von und mit Schulklassen und auch für kranke Kinder – deshalb gehen die gewonnenen 10.000 Euro an das projekttheater dresden. Wir setzten dieses Geld für die neue Lüftungsanlage ein, denn diese kommt allen zu Gute, KünstlerInnen und BesucherInnen.

Auf Grund der Verzögerungen beim Einbau der Lüftungsanlage, konnten die Ideen für den Hof nicht in Angriff genommen werden. So hatten wir etwas Zeit, diese Pläne noch einmal zu überdenken. Daraufhin entschlossen wir uns, über die Kreativraumförderung der Landeshauptstadt Dresden Geld für die Einrichtung einer Bühne im Foyer und einer im Hof zu beantragen, was auch am 13. März 2018 in die Tat umgesetzt wurde.

Die Arbeit mit sozial und/oder wirtschaftlich schwachen Menschen, Praktikanten und Schülern sowie straffällig gewordenen Jugendlichen und mit Kindern aus sozial schwachen Gebieten wurde in alt bewährter Weise fortgeführt.

Die Nutzung unserer Proberäume für regelmäßig stattfindende Kurse einerseits und die Erarbeitung von Projekten andererseits konnte auslastungsseitig analog zu 2016 fortgeführt werden.
Insgesamt gesehen war das Programm eine Mischung aus professionellen Tanz- und Theaterproduktionen, Lesungen, musikalischen Programmen und Veranstaltungen mit Schülern und Studenten.

Mehr als je zuvor wurde das projekttheater als ein Partner in der technisch-logistischen Betreuung von Vorstellungen, als auch als Berater bei Vorbereitung und Erarbeitung von Projekten wahrgenommen. Die mit Hilfe des Theaters organisierten Projektmittel wurden direkt durch die Projekte verwaltet. Damit werden die KünstlerInnen in den Projekten zur Übernahme komplexer Verantwortung befähigt - bewußtere Mittelbewirtschaftung. Wir sehen darin eine positive und perspektivweisende Entwicklung.

Die Nutzung des projekttheaters als offenes Haus und im wörtlichen Sinne als projekt-theater führte zu einer erhöhten Akzeptanz beim Publikum und auch bei potentiellen neuen Partnern.

Der Kurs- und Workshopbereich nahm 2017 enorm an Intensität zu. Hinzu kam eine wesentlich stärkere Auslastung der Proberäume durch im Haus entstehende Tanz- und Theaterprojekte. Die Auslastung der Proberäume (3) lag damit 2017 bei ca. 70%. Insgesamt konnten wir ca. 4.500 Personen zu den Kursen, Workshops und Seminaren begrüßen.
Wir werden auch 2017/2018 den vorab skizzierten positiven Weg gehen und die Projektflanke maßgeblich stärken, wobei unklar ist in welchem Umfang bei der Projektmittelsituation Projekte überhaupt realisiert werden können. So haben wir uns entschlossen, 2017 die Künstler mit einer Pauschale von 50 Euro pro Person/pro Vorstellung zu gratifizieren und denken für 2018 darüber nach, dieses auf 100 Euro anzuheben. Auf diese Art und Weise wird Veranstaltungsausfällen vorgebeugt und der Einnahmerisikobereich ist überschaubar.

Ergebnis dieser Situation ist ein deutliches Abschmelzen der, im professionellen Off-Bereich tätigen Künstler in Dresden. Wir schlagen deshalb erneut die Einrichtung eines Sicherungsfonds in Dresden vor, um bei Gastspielen schamfreie Konditionen anbieten zu können. Ein solcher Fonds käme natürlich auch anderen Einrichtungen als unserer hilfreich entgegen.

Resümierend läßt sich sagen, daß das projekttheater auch 2017 mit mehr als 17.000 Besuchern ca. 236 Vorstellungen, 320 Kurs- & Workshopangeboten sowie 6 Ausstellungen (Laufzeit zwischen 14 Tagen & 6 Wochen) trotz aller Probleme einen umfangreichen Beitrag zu den kulturellen Angeboten Dresdens beigetragen hat.
Für weitere Erörterungen stehe ich jederzeit zur Verfügung.


Dresden, 20. 3. 2018
D. G. J. Skowronek