besondere projekte

Auswertung des Jahres 2016

Sachbericht 2016
zur Haushaltsabrechnung Spielstätte projekttheater dresden

1.    Allgemeines zur Spielzeit
2.    Jahresabriss
3.    Barrierefreiheit
4.    Resümee
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1. Allgemeines
Das Jahr 2016 war ein überaus erfolgreiches Jahr, besonders in Hinblick auf den Umbau in ein für gehbehinderte barrierefreies Theater, aber auch mit Blick auf den Besuch der Vorstellungen und die damit verbundene Auslastung.
Die freie Trägerschaft des projekttheater dresden e.V. hat sich als äußerst gut erwiesen. Da sich der Freistaat Sachsen mit 35 – 45% Zuschuß zum Haushalt beteiligt, hat das projekttheater eine stabile Ausgangslage für die Betreibung der Spielstätte. So können wir seit 1990 verpflichtendes, geradliniges und stetes Theater machen und anbieten.
Dieses mündete 2016 in insgesamt 212 Vorstellungen. Trotz der großen Baumaßnahmen vom 19.7.2016 bis zum 13.10.2016 wurden diese Vorstellungen für insgesamt ca. 13.000 Menschen realisiert, was einer Platzauslastung von 76% entspricht.
Es gab 24 Theaterprojekte, 5 Amateurtheaterprojekte, 7 politsche Veranstaltungen, 6 Tanzprojekte außerhalb der Tanzwoche Dresden, 7 Kindertheaterprojekte, 9 Musikprojekte, 3 verschiedene Literaturprojekte, 10 Workshoppräsentationen, 3 inklusive Projekte, 10 Schülerprojekte und begleitend 6 Ausstellungsprojekte. Hinzu kamen die Teilnahme des projekttheater dresden an der Langen Nacht der Dresdner Theater (1000 Besucher), der BRN (200 Besucher)und am Schaubudensommer Dresden (2100 Besucher). Insgesamt feierten wir 19 Premieren und Uraufführungen.
Im Rahmen des Kooperationsprojektes „Zu Gast bei Freunden“ erlebten wir spannende Projekte der bühne der TU und der Landesbühnen Sachsen in unserem Hause.

2. Jahresabriss

Das Jahr 2016 begann – wie immer – mit den Aufführungen der Freien Montessorischule. Doch in diesem Jahr war alles anders. Es wurden 2 Gruppen zusammengelegt, was bedeutete, dass 50 Schüler und Schülerinnen im projekttheater für 2 Wochen Workshop unterwegs waren. Erarbeitet wurde eine Wanderperformance durch das Haus zum Thema „Flucht und Vertreibung“. Es waren großartige Aufführungen! Die Schüler und Schülerinnen benutzten alle Räume incl. der Gästewohnungen um ihre Sicht auf die Flüchtlingsproblematik deutlich zu machen. Die Besucher waren schockiert und zu Recht stolz auf die Jugendlichen.
Dieses Projekt hat, wie die Kooperation mit dem Gymnasium DKS, schon Tradition.
Hier sieht man deutlich, das Theater durchaus auch einen Bildungsanspruch hat – und diesen jenseits jeglichen Medienkonsums.
Gleich hinterher war dann die nächste Generation am Start. Die Frei Spieler zeigten „Die dritte Generation - Kinder von Marx und Coca Cola“, ein Stück inspiriert von Rainer Werner Fassbinders "Die dritte Generation" und Jean-Luc Godards "Masculin-Feminin oder: Die Kinder von Marx und Coca Cola". Das war ebenfalls ein voller Erfolg.
Mit der Semperschule Mobilis kam dann zum ersten Mal in der Geschichte des pt Ballett auf unsere Bühne. „Auf der Suche nach dem Glück“ präsentierte die kleinsten, kleinen und großen Ballettänzer der Schule im 1. Teil des Märchens.
Im Rahmen des Forum 13. Februar führten wir Anfang Februar wieder eine Aktionswoche zum Thema Flucht & Asyl durch, in diesem Jahr mit dem Schwerpunkt Krieg. Zu Gast waren Riad Ben Ammar, Julianna Herzberg vom Ensemble La Vie Stuttgart mit ihrem wunderbaren Stück „Reise nach Jerusalem“ und Stani Greifenberg mit dem Kabarett „Wir hatten ja nix“.
Der Februar hielt aber noch ein Highlight in unserem Spielplan bereit. Am 21. Februar veranstalteten die Saxons ein Dance off in unserem Haus, welches zu diesem Anlass fast aus allen Nähten platzte.
Ende Februar bis Mitte April fand in unseren Räumen eine Ausstellung zu Rüstungsexporten und Menschenrechtsverletzungen statt. Diese wurde von Schulen besucht und sehr gut angenommen.
Der März verging mit Bandkonzerten, Theaterspielen und Tanz und am Ende mit den Frühlingskulturtagen des Gymnasiums Dreikönigschule.
Im April starteten wir mit der Premiere von „Welche Droge passt zu mir?“, welches sich im Laufe der Zeit zu einem Erfolgsstück entwickelte, so dass für 2017 zahlreiche Schulvorstellungen geplant sind.
Direkt vor der Tanzwoche brachte dann der SUKUMA Arts e.V. noch einen besonderen Tag zu uns: Die Stories of Change. Zu diesem Zwecke wurde das Theater umgebaut, es gab Aktionen im ganzen Haus und im Hof ein großes Buffett aus Containerlebensmitteln.
Dann war es wieder soweit: die Tanzwoche stand vor der Tür und feierte in diesem Jahr den 25. Geburtstag. Aus diesem Grund gab es natürlich besondere Stücke für das Publikum, welches zahlreich erschien und das Programm lobte.
Mitten in der Tanzwoche, am 23. April, war dann auch noch die Lange Nacht der Dresdner Theater, welche in diesem Jahr mit 2 Programmpunkten durch das projekttheater und 4 Programmpunkten durch die Tanzwoche bestritten wurde, natürlich begleitet von Outdoorperformances. Und wir konnten uns vor Zuschauern nicht retten. Das Krepsko Theater aus Prag spielte seine Performance kürzer und 2 mal, damit alle Leute Platz hatten. Ca. 1000 Besucher erlebten mit uns eine spannende, unterhaltsame, fröhliche Lange Nacht der Theater.
Der Mai startete gleich mit einer Premiere. Das Mertyrer Kollektiv präsentierte „[Haut] a monk barbecue show“ und traf damit den Zeitgeist und den Geschmack vieler, ebenso wie das Slavistik-Institut und sein Stück „Ich und der MG Schütze“ oder Utz Pannike und „Stille, die uns täuscht“.
Den Juni eröffneten wir mit Ciboulette und ihrer Festwoche zum Bühnenjubiläum. Es gab zahlreiche Clownsstücke für die Kleinen und für die Großen, es war ein wunderbares Festwochenende.
Dann folgten wieder die Sommerkulturtage der Dreikönigschule und dort mittendrin die BRN. Die BRN ist immer ein Höhenpunkt der intensiven Zusammenarbeit mit der bühne der TU. In diesem Jahr fanden unter dem Motto „Innere Sicherheit“ zahlreiche spannende Begegnungen statt.
Natürlich gab es nicht nur Neues, auch Altbewährtes wurde fortgesetzt. Nach wie vor sorgen die Mitglieder von FSK – dem Improtheater der bühne der TU jeden dritten Dienstag für schmerzende Lachmuskeln.
Im Juli nahmen wir zum ersten Mal am Schaubudensommer Dresden teil. Bei teilweise tropischen Außentemperaturen zeigten erst die JuWie Dance Company Improvisationen zum Stück „Eldorado“, gefolgt von The Guts Company und einem Auszug aus „Das Eigene/Heimat“ mit dem Dresdner Gnadenchor. Den Abschluss bildeten 2 Tänzer aus Spanien, die mit Postscriptum jeden Besucherrekord sprengten. Durchschnittlich waren bei ihnen 130 Menschen im Theatersaal. Da trat schon Sauerstoffmangel ein.
Unmittelbar nach dem Schaubudensommer begann unsere große Baumaßnahme. Das projekttheater dresden wird barrierefrei!
Dank der großen Unterstützung durch die Landeshauptstadt Dresden, genauer das Stadtplanungsamt, und ihr Förderprogramm Barrierefreies Bauen „Lieblingsplätze für Alle“ und der Aktion Mensch mit ihrem Investitionsprogramm konnten wir beginnen, den Theatersaal auszuschachten. Das war eine Arbeit! Der Fußboden des Theatersaals bestand aus Kies, Dielen, Beton – und besonders letzterer stellte die Arbeiter vor große Aufgaben, ließ er sich doch nur sehr schwer entfernen. Ein weiteres Überraschungsmoment brachte uns die Entdeckung eines zugeschütteten Kellers, welcher allerdings – leider – nicht das Bernsteinzimmer enthielt, sondern verrostete Leitern und vor allem viel Schutt. Danach wurden Lüftungsrohre verlegt. Wir haben zwar noch kein Aggregat, aber wenn man schon mal dabei ist, den Fußboden zu öffnen, sollte man zukunftsträchtig planen. Dann war der große Tag da – Beton wurde gegossen. Jetzt hat unser Saal von vorn bis hinten eine einheitliche, glatte Oberfläche und man kann vom Hof ohne Rampe oder sonstige Hilfsmittel in das Theater fahren oder gehen. Danach kam ein weiteres Highlight – die neue Zuschauertribüne. Planungsseitig vom Architekturbüro Christoph Hahn unterstützt, verlegten wir die Technikbühne auf die andere Seite und gestalteten den Theatersaal neu – ohne allerdings Plätze zu verlieren. Es war ein 3monatiges Bauprojekt, welches sich aber jetzt schon auszahlt. Nach und nach finden immer öfter gehbehinderte Menschen den Weg in unser kleines Theater.
Den Herbst eröffneten wir mit der Premiere von „Big Deal“ des Jungen Studios der Landesbühnen Sachsen – noch im Spiegelsaal, da der Theatersaal noch nicht fertig war.
Richtig los ging es dann am 14. Oktober mit Stille, die uns täuscht, gleich gefolgt vom jährlich stattfindenden Präventionsprojekt „Hau ab, du Angst“ der SHUKURA - Fachstelle zur Prävention sexualisierter Gewalt an Mädchen und Jungen der AWO Kinder-und Jugendhilfe gemeinnützige GmbH. Letztes war mit 600 kleinen und großen Besuchern wieder ein voller Erfolg.
Im November kamen dann mit (e)motions von Bronislav Rosznos, „Die Grille und die Ameise“ des Farbwerk e.V. vor allem inklusive Theaterstücke auf unsere Bühne. Neben Salome der Landesbühnen Sachsen, einer Podiumsdiskussion mit der Opferberatung Dresden und Konzerten ist diese Schiene für uns neu und spannend. Arbeiten müssen wir noch an den Zuschauerzahlen. Momentan kommen nur die eingeladenen Freunde und Verwandte, jedoch sollen es ja Programme sein, welche auf Grund der Inklusion jeden ansprechen sollen. Aber daran arbeiten wir noch.
Der Dezember wurde bunt, zuweilen schräg und war wieder durchgängig ein Publikumserfolg. Neben dem alljährlichen Weihnachtsspecial der bühne der TU – in diesem Jahr unter dem Titel „Der exzentrische Weihnachtsmann“ - erlebten wir Martin Kiefer von der Zirkusmanufaktur Leipzig mit seinem wunderbaren „Ein Tag wie dieser“, den Columba Palumbus e.V. mit der HipHop Gruppe Paloma del Sol und Jugendlichen des Pop II Go Bündnis Freital, welche COME ON STAGE zeigten. Daneben gab es die Aufführungen des Espiral, dem Ballettstudio der Görlitzer Straße, welche mit 130 Kindern auf der Bühne unseren Theatersaal füllten. Also vorweihnachtliches Programm zeigten wir Lametta Laszive, eine szenische Lesung des Ensemble La Vie München von einer Nutte, die nur Weihnachten anschaffen geht und Chimaera aus Dresden, die mit ihren Instrumenten filmmusikreife Klangsphären schafften.
Natürlich gab es noch viel mehr außer Vorstellungen im projekttheater über das Jahr. Wir unterstützen zahlreiche Projekte, deren Ergebnisse nicht auf unserer Bühne gezeigt wurden, sei es durch das zur Verfügung stellen von Räumen, von Technik oder oder oder.  Es wurden zahlreiche Workshops durchgeführt und es gab und gibt täglich Kurse und Unterricht in unseren Räumen.

3. Barrierefreiheit

Das projekttheater dresden ist für Menschen mit Gehbehinderungen barrierefrei
"Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ - so steht es im Artikel 3 des Grundgesetzes.
Wir haben es geschafft! Seit Oktober 2016 ist das projekttheater dresden barrierefrei. Denn nun kann man nicht nur sich im Foyer aufhalten, dort gemütlich sitzen und schwatzen und ein Getränk genießen, man kann auch ohne weitere Barriere in den Theatersaal fahren oder gehen. Ein großer Fortschritt.
Dank der Unterstützung durch die Stadt Dresden und ihr Förderprogramm Barrierefreie Lieblingsplätze und der Aktion Mensch mit ihrem Investitionsprogramm sowie dank zahlreicher privater Spenden und Unterstützer konnten wir in diesem Jahr unseren Theatersaal tiefer legen. Damit fiel die Stufe vom Hof in den Saal weg und Menschen mit Gehbehinderung können nun wirklich barrierefrei uns besuchen.
Unser Vorhaben richtete sich in erster Linie an alle Menschen mit Geheinschränkungen, von Rollstuhlfahrern bis Senioren. Jedoch sind auch Menschen mit Seheinschränkungen angesprochen. Im dunklen Theatersaal mit seinen vielen Treppen, fällt ihnen die Orientierung sehr schwer, da es auch hier eng, verwinkelt und treppenreich ist. Durch die Maßnahmen hat sich die Anzahl der möglichen Rollstuhlplätze von 8 auf 16 verdoppelt. Doch diese Zahl ist es nicht allein. Ein barrierefreier Theatersaal macht nun auch Projekte/Workshops mit behinderten Menschen möglich. Diese Option war und ist uns besonders wichtig.
Denn wir sehen es als eine unserer Aufgaben an, Menschen mit und ohne Behinderung in das kulturelle Leben mit einzubinden und gesellschaftliche Inklusion voranzutreiben. Unsere Arbeit steht darum auch im Zeichen der Interkulturalität  und Gendergerechtigkeit-  denn es sind gerade Attribute wie Vielfalt und Diversität, die unsere Gesellschaft bereichern und die es zu fördern gilt.
Unser Ziel ist die aktive, gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung am gesellschaftlichen und kulturellen Leben! Darum versuchen wir, auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen eine Plattform zu sein, um ihnen die nötigen Techniken, Methoden und Fertigkeiten für eine aktive Partizipation am künstlerischen Schaffen zu vermitteln.
Ein weiteres Ziel ist die Sensibilisierung für gesellschaftspolitisch relevante Themen durch Kunst und Kultur. Unsere Künstler*innen, egal ob mit oder ohne Einschränkungen begeistern das Publikum immer wieder mit ihren Leistungen. Darum ist es uns ein besonderes Anliegen, den Künstler*innen mit Einschränkungen ebenfalls die Erfahrung zu ermöglichen, ihr Können auf einer Bühne präsentieren zu können. Durch diese öffentliche Sichtbarmachung nutzen wir Theater als Medium zur Sensibilisierung für eine inklusive Gesellschaft, aber auch für zahlreiche andere aktuelle sozialkritische Themen.
Und Theater – erlebt als Zuschauer*in oder Macher*in trägt nachhaltig und umfassend zur Verbesserung der Lebensqualität und Lebenssituation bei. Wir wünschen uns eine Gesellschaft, in der Vielfalt auf Offenheit und Akzeptanz trifft.
Noch sind wir zwar weit davon entfernt, unser Theater für Gehörlose und Blinde barrierefrei zu gestalten, doch wir sind einen großen Schritt weiter, für alle eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu schaffen.
Das Aggregat für die Lüftungsanlage ist für 2017 geplant, ebenso die Gestaltung des Hofes, welche aus jahreszeitlichen Gründen 2016 nicht bis zu Ende gebracht werden konnte.

4. Resümee
Das Jahr 2016 war für uns ein spannendes Jahr, gefüllt mit einer Menge von Veranstaltungen, mit unserer großen Baumaßnahme und mit der Unterstützung zahlreicher Projekte, die engagiert für Soziales, Kultur und Zwischenmenschlichkeit eintreten. Insofern bleibt der Veranstaltungserlös leicht hinter dem von 2015 zurück, was nicht zuletzt damit zu tun hat, dass z.B. der Schaubudensommer mit seinen 2500 Besuchern und den entsprechenden Erlösen nicht über unsere Kasse ging.
Wir haben 2016 den Plan zum Umbau in ein barrierefreies Theater umgesetzt. Dieses Projekt wird 2017 mit dem Einbau einer Lüftungsanlage und der Gestaltung des Hofes abgeschlossen.
Die Arbeit mit sozial und/oder wirtschaftlich schwachen Menschen, Praktikanten und Schülern sowie straffällig gewordenen Jugendlichen und mit Kindern aus sozial schwachen Gebieten wurde in alt bewährter Weise fortgeführt.
Die Nutzung unserer Proberäume für regelmäßig stattfindende Kurse einerseits und die Erarbeitung von Projekten andererseits konnte auslastungsseitig analog zu 2015 fortgeführt werden.

Für weitere Erörterungen stehe ich jederzeit zur Verfügung.


Dresden, 27. 1. 2017
D. G. J. Skowronek