HURRIA! Theatrale Revolution für Bewegungsfreiheit

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Aufführungen

22.Mai 20:00

dresden postkolonial

Im Rahmen des Aktionstages Dresden zur bundesweiten Transnationalen Mobi-Tour für Bewegungsfreiheit, Autonomie und Gutes Leben statt G7 vom 14.05.-8.06. mit der BUKO, der Bundeskoordination Internationalismus

Der tunesische Künstler und Aktivist Riadh Ben Ammar setzt sich in seinem Theaterstück “Hurria!”, arabisch “Freiheit”, mit den vielschichtigen Kämpfen für (Bewegungs-)Freiheit im Zuge der tunesischen Revolution 2011 auseinander.

Am 14. Januar 2011 fand in Tunesien eine Revolution statt. Danach haben viele junge Menschen das Land verlassen. Tausende sind als Flüchtlinge in Lampedusa gelandet.

Damals sagte der deutsche Innenminister Thomas de Maizière, dass die Menschen erkennen müssten, dass sie nach Tunesien gehören würden. Sie sollten dort bleiben und ihr Land aufbauen. Auch Angela Merkel äußerte sich ähnlich: Sie stellte es als eine Selbstverständlichkeit dar, dass „nicht alle Menschen nach Europa kommen können, die nicht in Tunesien leben wollen“.

Das Theaterstück versteht sich als eine Antwort auf solche Aussagen. Es thematisiert die vielfältigen Wege der Freiheitssuche, die mit der Revolution eine neue Qualität bekommen haben. Denn neben dem Kampf gegen die Diktatur war die Revolution auch ein Kampf gegen das europäische Migrationsregime.

Hurria! fragt, wie die Probleme der Nordafrikaner*innen mit der europäischen Migrationskontrolle zusammenhängen, also auch, was europäischen Tourist*innen in Tunis, Frontex, Abschiebungen und religiöser Fundamentalismus miteinander zu tun haben.

"In einer einstündigen Performance ... schafft es der Schauspieler Riadh Ben Ammar mit einfachsten Mitteln ..., die gefährliche Reise eines Flüchtlings darzustellen. Eine Lampe und ein Paar Geräuschdateien sind die einzigen Requisiten, mit deren Hilfe Ammar verschiedene Personen oder auch ein schaukelndes Schlauchboot inszeniert. Er spricht mit seinem Schatten, spricht aus dem Off und erzeugt so verschiedene Raumsituationen.
Ammar selbst ist vor 15 Jahren als Harraga nach Deutschland geflohen. Seine erste Station: Kassel. Harraga bedeutet wörtlich übersetzt „die Straße hinter sich verbrennen“. Gemeint sind jene, die als Flüchtlinge auf kleinen Booten versuchen, ihr Land zu verlassen, und auf ihrem Weg in die Illegalität ihre Papiere verbrennen. Inzwischen lebt Ammar in Berlin und ist bei der Organisation Afrique-Europe-Interact aktiv, die auf die Probleme der Migrationspolitik aufmerksam machen wollen.
Die Performance „Hurria!“, zu Deutsch „Freiheit“, widmet sich dieser Problematik mit der Geschichte des jungen Sami, der unter der Diktatur Ben Alis Tunesien verlässt, um nach Deutschland zu kommen. „Die Deutschen mögen uns. Die Deutschen lachen immer. Sie besuchen uns so gern. Wenn sie einen Kaffee für einen Dinar kaufen, zahlen sie sogar zwei.“ Sein Ziel ist es, irgendwann den roten Pass in den Händen zu halten, ein Mensch erster Klasse zu werden und frei um die Welt reisen zu können.
„Die Deutschen mögen dich nur, weil du zu Hause bleibst“, sagt sein Freund. Und doch sieht Sami keine andere Möglichkeit und steigt in das Boot, das ihn in 18 Stunden auf den anderen Kontinent bringen soll. Bleiben kann er nicht. „Denn wie soll ich mein Land entwickeln, wenn ich nicht frei bin?“"
Von Philine Proft



Riadh Ben Ammar, 40, kam vor 15 Jahren selbst als Harraga (arabisch: wörtlich „Grenzverbrenner_in“; irreguläre_r Migrant_in) von Tunesien nach Deutschland, wo er zunächst jahrelang in einem Flüchtlingslager lebte. Heute ist er bei Afrique-Europe-Interact und No Border Tunis aktiv.


Der Eintritt beträgt 3 Euro, Flüchtlinge haben freien Eintritt

Aktionstag Dresden

Die BUKO Tour kommt nach Dresden! Im Rahmen dessen wollen wir euch einladen mit den internationalen Aktivist*innen und Referent*innen ins Gespräch zu kommen, die beleuchten, warum der transnationale Widerstand gegen die G7 Staaten so notwendig ist. Dabei wird diskutiert wie die Politik der G7 Staaten zur Aufrechterhaltung der globalen Ungleichgewichte beiträgt und alternative Bestrebungen und Veränderungsansätze lähmt. Solidarische Diskussionen sollen Süd-Süd und Süd-Nord-Vernetzungen stärken und uns den Fragen nach gemeinsamen Kämpfen näher bringen. Dresden Postkolonial lädt ein, um die Aktivist*innen und ihre Perspektiven zu hören, denn diese kritischen Stimmen sind in der momentanen rassistischen Stimmung in Dresden wichtiger denn je. Themenschwerpunkte der Veranstaltungen sind u.a. Freihandel, Migration und Flucht und außerdem die Mobilisierung zum G7 Gipfel nach Elmau.


Programm

22. Mai 2015

15 – 16.30 Uhr
Vortrag “Freihandel ist nicht neu! Folgen von 20 Jahren NAFTA & Co. in Mexiko”

Referent: Magdiel Sánchez Quiroz, Kinder- und Jugendhaus LOUISE

Magdiel Sánchez Quiroz ist ein mexikanischer Aktivist, der sich u.a. beim Ständigen Tribunal der Völker/ Tribunal Permanente de los Pueblos (TPP) engagiert. Das TPP hatte in Mexiko 2011 seine Arbeit aufgenommen und stellt eine Art zivilgesellschaftliches Gewissenstribunal in öffentlichen Anhörungen dar, das versucht die verheerenden Folgen von Freihandelspolitik, Drogenkrieg, Gewalt und Verletzung der Völkerrechte durch Staat und Unternehmen zu beleuchten. In seinem Vortrag wird Sánchez insbesondere auf die Folgen des Freihandel auf die Gesellschaft eingehen und über die Ergebnisse des Tribunals berichten.
Eintritt frei


17.30 – 20 Uhr Straßenaktion Jorge-Gomondai-Platz

Buntes Programm mit Redebeiträgen von verschiedenen Referierenden (der Buko) rund um G7 mit den Themenschwerpunkten Freihandel, Kapitalistische Klimapolitik, Landraub, Militarisierung und Migration und Flucht sowie mit verschiedenen Initiativen aus Dresden, Mitmachaktionen und Musik – Der Gipfel ruft, wir kommen alle!

20.00 Uhr „Hurria!“ – projekttheater dresden

26. Mai 2015

17.00 Uhr Stadtrundgang Dresden Postkolonial – Jorge-Gomondai-Platz

Wir beschäftigen uns bei diesem Stadtrundgang mit den Spuren der kolonialen und postkolonialen Vergangenheit in Dresden. Der Stadtrundgang wird dabei einen besonderen Fokus auf wirtschaftliche Auswirkungen und das Wirken von G7 legen.


19.30 Uhr Filmvorführung „Das Weltgericht von Bamako“ – Thalia Dresden
… mit anschließendem Podium mit Dr. Miguel Angel Ruiz Martinez und  Dresden Postkolonial

Der französisch-us-amerikanisch-malische Film von Abderrahmane Sissako (2006) handelt von einem fiktiven Prozess der afrikanischen Zivilgesellschaft gegen die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds und spielt in Malis Hauptstadt Bamako
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EINE VERANSTALTUNG IM RAHMEN DER #WOD

Die "Initiative weltoffenes Dresden (#WOD)" ist ein Zusammenschluss der Dresdner Kulturinstitutionen. Wir wollen damit ein Zeichen setzen für eine offene Gesellschaft, für Toleranz und Solidarität und gegen Angstmacherei und Populismus. Die "Initiative weltoffenes Dresden (#WOD)" tritt mit ihren Veranstaltungen öffentlich ein für das fremdenfreundliche Dresden, das stolz ist auf eine Kultur des Miteinander.

Preise und Karten

VVK 3€ / 3€ AK-Zuschlag: 0€
Leider keine weiteren Termine geplant